Megaprojekte mit den Elbinseln im Focus: Übernimmt sich der Senat?
Geschrieben von: Klaus in Bezirksversammlung, Bürgerschaft, Kleiner Grasbrook, Kultur, Veddel, Verkehr, WilhelmsburgDie Sommerpause ist da, und erlaubt einen Blick auf die vergangenen Monate und ein paar grundsätzliche Gedanken.
Der neue schwarz-grüne Senat hat eine Reihe von sehr großen Themen angefasst. Die Mehrzahl der Projekte betrifft die Elbinseln Veddel und Wilhelmsburg direkt. Was am Ende Wirklichkeit wird ist offen. Doch die Beschäftigung mit den Mega-Themen droht die alltäglichen Probleme in den Stadtteilen zu überdecken.
Dabei sind die Maga-Themen für Politiker attraktiv. Bieten sie doch die Gelegenheit mit großen Entwürfen zu glänzen, und vielleicht das Aussehen und die Entwicklungen in der Stadt auf lange Zeit zu prägen.
Die für die Elbinseln wichtigen Themen im einzelnen:
- Der Freihafen, der in Hamburg am 15. Oktober seit 120 Jahren existiert, soll abgeschafft, oder radikal verkleinert werden.
- Für die Hafenquerspange, einer Autobahn A 252 durch den Hafen und über die angrenzenden Stadtteile, die seit 25 Jahren diskutiert wird, die inzwischen in den Bundesverkehrswegeplan mit einer Linienfeststellung eingetragen ist, und in dessen Planung unzählige Arbeitsstunden investiert wurden soll eine Ersatzlösung gefunden und gebaut werden.
- In Zusammenhang mit den Planungen zur Hafenquerspange steht der Plan die Wilhelmsburger Reichsstraße abzureißen, und eine Ersatzstraße zu bauen.
- Schließlich wird diskutiert, ob die seit 1919 in Eimsbüttel beheimatete Universität Hamburg auf den Kleinen Grasbrook, und nicht wie oft fälschlicherweise behauptet wird in die Hafencity, zu verlegen.
- Mit den Universitätsplänen rücken die Überlegungen, die U4 unter der Elbe hindurch auf den Kleinen Grasbrook und nach Wilhelmsburg zu erweitern wieder in den Focus.
Jede dieser Planungen würde bei ihrer Verwirklichung zweifellos erhebliche Auswirkungen auf die Stadtteile auf den Elbinseln haben. Es ist deshalb wichtig, mit diesen Themen zu beschäftigen. Nur darf man darüber nicht allzuviel Zeit vergeuden.
Ein Blick zurück hilft: Das letzte wirklich große verwirklichte Stadtentwicklungsprojekt ist die Hafencity, die von Henning Voscherau und ganz wenigen eingeweihten vorbereitet worden ist. Andere, vergleichsweise kleinere Projekte kämpfen mit Problemen. Die Elbphilharmonie hinkt ihrem ursprünglichen Zeitplan ein Jahr hinterher, die Fertigstellung der Umgehungsstraße für Finkenwerder liegt seit Jahren auf Eis. Die Flughafen S-Bahn hat sich in ihrer Fertigstellung ebenfalls um Jahre verzögert. Allein diese drei Projekte sind aus dem Kostenrahmen gelaufen. Das in der Hafencity geplante Science-Center ist nicht finanziert, und droht dem Rotstift zum Opfer zu fallen.
Allein die Verlegung der Reichsstraße würde eine Weile dauern. Nicht nur, das in der Vergangenheit mehrfach untersucht worden ist, mit welchen Problemen eine Verlegung an die Bahnstrecke verbunden wäre. Es müsste ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, das alleine wohl mindestens 2 Jahre dauern würde. Nicht eingerechnet sind die Klagemöglichkeiten der Betroffenen. Zur Finanzierung dieser Bundesstraße müssten die entsprechenden Zusagen vom Bund eingeholt werden, ganz zu schweigen von der Frage, ob sich diese Investition finanzieren ließe, klafft doch augenblicklich eine Lücke von etwa einer Millarde Euro in Hamburgs Haushalt.
Symptomatisch ist die Diskussion um die Ausrichtung der Universiade. Nachdem Hamburg als Sportstadt glänzen wollte, ist derzeit die Finanzierung der Weltspiele der Studierenden nicht gesichert. Ob Hamburg sich aus der Bewerbung zurückzieht, was einer internationalen Blamage gleich käme, und eine etwaige Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele unmöglich machen würde, ist offen.
Man wird sich wohl darauf einstellen müssen, das es bis zu einer Verwirklichung der “Mega-Projekte” noch eine Weile dauern wird, und die meisten davon wahrscheinlich niemals umgesetzt werden.
An den meisten Menschen auf der Straße gehen diese Diskussionen wohl eher vorbei. Die Zustände auf den Spielplätzen, die Sauberkeit im Stadtteil, der Pflegezustand der Grünflächen, die Lautstärke von Festivals oder die Frage nach einem simplen Aufzug im Bahnhof beschäftigen die Menschen viel mehr.
Die Lokalpolitik täte gut daran, diese scheinbar so kleinen Themen ernst zu nehmen, und über die schönen, großen Planungen nicht zu vergessen.
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