Der Senat will im Frühjahr über die Universität auf dem Kleinen Grasbrook entscheiden

Kommt die Universität auf den Kleinen Grasbrook?

Kommt die Universität auf den Kleinen Grasbrook?

Die Diskussion, ob die Universität Hamburg auf den Kleinen Grasbrook verlegt werden soll kam überraschend. Die Entscheidung soll im Frühjahr 2009 fallen.

Um es klar zu sagen: Für die Elbinseln und die Stadtentwicklung wäre der Umzug der Uni ein großer Gewinn. Auch die Universität könnte durch das zusätzliche Platzangebot erheblich profitieren. Die Universitätspräsidentin hat sich entsprechend klar geäußert.

Von Unwissenheit zeugt die Diskussion allerdings immer dann wenn es heißt die Uni solle “auf eine Wiese” gebaut werden, der Kleine Grasbrook sei nicht Citynah, oder die Uni solle in die Hafencity.

Wir werden uns in der Bezirksversammlung sicher mit dem Thema zu beschäftigen haben, und es ist klar das wir als Veddeler den Umzug befürworten. Das der Umzug allerdings tatsächlich stattfinden kann ist sehr ungewiss. Denn bis zur Realisierung muss nicht nur die Entscheidung in diese Richtung gefällt werden, es sind dann auch erhebliche Anstrengungen zur Planung und Finanzierung des Projektes nötig.

Es wird auch eine Rolle spielen, das es in den Behörden der Hansestadt seit Jahren einen Streit zwischen den Befürwortern einer weiteren Hafennutzung des Kleinen Grasbrook und den Verfechtern einer Stadtentwicklung gibt.

Die Behörde für Wissenschaft und Forschung hat jetzt zum weiteren Verfahren in einer Pressemitteilung geäussert:

Verfahren für Uni-Bauentwicklung festgelegt – Entwicklungsstudie soll erste Erkenntnisse bringen

Vor rund drei Wochen hat die im Koalitionsvertrag vereinbarte Arbeitsgruppe vier Szenarien für die bauliche Entwicklung der Universität vorgestellt, die auf ihre Realisierbarkeit und auf ihre Eignung geprüft werden sollen, dem besorgniserregenden baulichen Zustand der Universität Hamburg ein Ende zu bereiten und der Universität optimale Entwicklungsmöglichkeiten zu sichern.

Die Arbeitsgruppe hat jetzt die Verfahren für eine zügige Prüfung der vier Szenarien festgelegt. Ziel ist es, eine Entwicklungsstudie zu erarbeiten, die Richtung weisend für weitere Untersuchungen ist. Alle betroffenen Bereiche werden am Verfahren beteiligt. Die Ergebnisse der Entwicklungsstudie sollen im Frühjahr 2009 dem Senat zur Entscheidung vorgelegt werden. Zuvor soll eine öffentliche Diskussion über die Entwicklungsstudie und die vier Szenarien stattfinden.

Wissenschaftssenatorin und Vorsitzende der Arbeitsgruppe Dr. Herlind Gundelach: „Wir wollen der Universität Hamburg eine Perspektive und somit auch eine inhaltliche Entwicklung sichern. Mit der Festlegung einer Verfahrensorganisation für die Untersuchung der vier Entwicklungsszenarien haben wir den nächsten Schritt gemacht. Die Entwicklungsstudie soll erste Erkenntnisse bringen und Hinweise dafür geben, welche Szenarien im Weiteren vertieft geprüft werden sollen. Wir werden alle Beteiligten aktiv in den Prozess einbinden und so alle Interessensbereiche bestmöglich abdecken.“

Die vier zur Prüfung vorgesehenen Entwicklungsszenarien für die Universität sind:

1) Modernisierung ohne Abrisse am derzeitigen Standort

2) Modernisierung mit Abrissen und erheblichem Neubauanteil am derzeitigen Standort

3) Verlagerung von Teilen der zentralen Universitäts-Bereiche an einen neuen Standort

4) Vollständige Verlagerung der zentralen Bereiche der Universität an einen neuen Standort.

Die Prüfung der Entwicklungsszenarien und die Erarbeitung einer Entwicklungsstudie erfolgt unter verschiedenen Aspekten:

1. Stadtentwicklung

Es soll geprüft werden, welche Entwicklungsoptionen die Universität und ihr Umfeld am jetzigen Standort und bei einer Teil- oder vollständigen Verlagerung an einen neuen Standort hätten. Ebenso werden Entwicklungsmöglichkeiten der Bezirke Eimsbüttel und Hamburg-Mitte bei einer Teil- oder vollständigen Verlagerung der Universität untersucht.

2. Baukosten- und Bauablauf

Hier steht die Ermittlung von Baukosten und Bauablaufszenarien im Mittelpunkt. Dazu gehören auch Interimslösungen sowie die Auswirkungen auf den Universitätsbetrieb.

3. Verfügbarmachen von Flächen auf dem Grasbrook

Kernfrage ist hier, wann und unter welchen Voraussetzungen welche Grundstücke gegebenenfalls zur Verfügung stehen könnten.

4. Finanzierung

Hier sollen unterschiedliche Modellvarianten geprüft werden. Diese reichen von einer Haushaltsfinanzierung über Public-Private-/Public-Public-Partnership-Optionen bis hin zu Mietkauf- oder Anmietungslösungen.

An dem Prozess werden beteiligt die Behörden für Wirtschaft und Arbeit, Stadtentwicklung und Umwelt, die Finanzbehörde, die Senatskanzlei sowie die Universität Hamburg, die Hamburg Port Authority und die Bezirke Eimsbüttel und Hamburg-Mitte. Die Behörde für Wissenschaft und Forschung hat die Federführung. Externe Berater werden hinzugezogen.

Im September sollen die Arbeiten beginnen, über die ab November monatlich an die Arbeitsgruppe der Koalitionäre zu berichten ist. Bevor Ergebnisse der Entwicklungsstudie dem Senat mit einem Entscheidungsvorschlag im Frühjahr 2009 vorgestellt werden, soll es einen öffentlichen Diskurs über die Entwicklungsstudie und die -szenarien geben.

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4 Kommentare.

  1. Herr Kapitän

    Was würde die Verlegung der Uni für die Elbinsel und ihre Einwohner bringen?
    Würde sie nicht eher der SAGA/GWG etwas bringen?
    Nämlich imens erhöhte Mieteinnahmen durch wachsende Atraktivität des Stadteiles?
    Was würde Der Umzug für die hier lebenden Migranten bringen?

  2. Ja, “Herr Kapitän”, das sind wichtige Fragen!
    Die Veddel lebt in der Nachbarschaft des Hafens und ist umzingelt von lärmenden Verkehrsachsen und Industrie. Auf dieser Insel leben etwa 5.000 Menschen. Das ist recht wenig um eine Infrastruktur mit Schulen, Geschäften, Ärzten, Banken und so weiter aufrecht zu erhalten.
    Die Belastungen durch Lärm zu verringern ist eine wichtige Aufgabe für Politik und Verwaltung. Eine Entwicklung des Kleinen Grasbrook weg von der Industrie und hin zu einem Wohn- und Lehrstandort würde die isolierte Lange unserer Insel aufbrechen, und könnte die Lärmsituation verbessern. Und zwar nicht nur, weil weniger Verkehr im unmittelbaren Umkreis erzeugt würde, sondern auch weil man über vollkommen neue Lärmschutzmaßnahmen diskutieren müsste.
    Das es die Entwicklung des Kleinen Grasbrook in Richtung Wohnungsbau spätestens im Anschluss an die Fertigstellung der Hafencity geben wird scheint mir sehr wahrscheinlich. Eine großflächige Nutzung durch eine Universität, verbunden mit Wohnraum und Einkaufsmöglichkeiten scheint mir sehr viel erstrebenswerter als Wohnungsbau zu den Preisen vom Kaiserkai.
    Auf dem Kleinen Grasbrook könnte die Stadt übrigens wesentlich mehr Geld verdienen, als auf der Veddel. Das bei einer steigenden Attraktivität eines Stadtteils können auch Mieterhöhungen die Folge sein. Allerdings: Die haben auch in der Vergangenheit stattgefunden, und zwar ohne Universität.
    Immerhin: Solange die meisten Wohnungen im städtischen Besitz bleiben, kann Politik die Spekulation um Wohnungen eindämmen. Das muss sie dann aber auch wollen.

  3. Die Lärmbelastung war in kein Teil meiner Fragen.
    Ich wohne in unmittelbarer Nähe zu Autobahn und empfinde den Lärm auch bei geöffnetem Fenster nicht wirklich als störend.
    Bei geschlossenem Fenster ist fast nichts zu hören, da wurde mit dreifachverglasung und Schallschutzfenstern sehr gute Arbeit geleistet.

    Aber zurück zu meinen eigentlichen Fragen.
    Das die Stadt auf dem Grasbrook viel Geld verdienen kann wenn die Universität dorthin zieht steht ausser frage.
    Das die Mieten in der Vergangenheit gestiegen sind ebenso.
    Allerding wird der Umfang dieser Mieterhöhungen ein anderer sein.
    Man kann da die Schanze als Beispiel nennen denke ich.
    Den Stadtteilen Veddel und Willhelmsburg wird eine ähnliche Entwicklung bevorstehen bzw. ist schon jetzt zu bemerken.
    Gerüchten zu folge vergibt die Saga/GWG bereits jetzt Wohnungen bevorzugt an Studenten und “junge Kreative” und verdrängt so Migrantenfamilien aus diesen Bereichen.
    Grade in Willhelmsburg ist diese Entwicklung deutlich zu spüren.
    Immerhin gibt es dort bereits Café’s mit Latte Macciato Preise jenseits der 2,50€.

    Glauben sie ernsthaft das die Politik sich dagegen wehren wird mehr Geld in die Kassen zu spülen?
    Oder die Attraktivität der Stadteile zu erhöhen und so mehr Studenten und “junge Kreative” anzuziehen?
    Welche folgen das auf die Mietpreisentwicklung und damit für die finanzschwächeren Teile der Elbinselbewohner hat braucht wohl nicht weiter ausgeführt werden…

  4. Lieber Herr Kapitän,

    auch wenn Sie sich nicht für die Lärmbelastungen in den meisten Teilen der Veddel interessieren, ich tue es schon. Deshalb ist es auch Teil meiner Argumentation.

    Ich glaube nicht, das die Entwicklung der Mieten auf der Veddel noch wesentlich gesteigert werden kann. Bereits in der Vergangenheit hat die SAGA/GWG die Mieten oft um die maximal zulässige Marge angehoben. Das wird sie auch weiter tun, fürchte ich. Der vorherige Senat hatte der SAGA/GWG höchstmögliche Wirtschaftlichkeit verordnet, salopper formuliert: Sie sollte rausholen, was rauszuholen ist. Die Jubelmeldung der Gesellschaft über das sehr gute Jahresergebnis 2007 ist eben auf Kosten der Mieter entstanden.

    Meiner Ansicht nach wird sich auf der Veddel die Entwicklung der Schanze trotzdem nicht wiederholen. Denn dafür fehlt eine wichtige Voraussetzung: Die Grundstücksspekulation.

    Auf der Veddel gehören die meisten Gebäude über die SAGA und GWG der Stadt Hamburg. Solange diese nicht verkauft werden, gibt es keine Grundlage für Spekulation. Selbst wenn die Stadt die Gebäude irgendwann verkauft, was im Augenblick nur die FDP vorschlägt, ist es schwer vorstellbar das die vorhandene Bebauung durch teure Neubauten ersetzt wird.

    Das durch die bevorzugte Vergabe von Wohnungen durch die SAGA/GWG an junge Menschen ein anderes Klientel in den Stadtteil gekommen ist, steht außer Frage. Im Rahmen des Studentenprogrammes war das sogar offizielle Politik. Allerdings hatte es auch Leerstand gegeben. Inzwischen ist günstiger Wohnraum überall in der Stadt knapper geworden, was übrigens auch auf die Vernachlässigung des öffentlich geförderten Wohnungsbaues durch die CDU-Senate entstanden ist. Dadurch ist es für viele hier ansässige Familien schwerer geworden, für aus- oder umziehende Familienangehörige Wohnungen in der Nähe zu bekommen.

    Andererseits ist es aber auch nicht wünschenswert, das man durch gezielte Vermietungspolitik die Gettoisierung einzelner Stadtteile betreibt. Ich finde hier muss mit Augenmaß vorgegangen werden. Die Vermietungspolitik darf nicht verdrängen, aber eine normale Fluktuation darf sehr wohl genutzt werden. Dabei wäre es auch nicht richtig Neuvermietungen ausschließlich an diese oder jene Gruppe vorzunehmen. Das richtige Maß zu bestimmen ist die eigentliche Kunst.

    Das sich Politik dagegen wehrt, das “Geld in die Kassen” gespült wird, haben wir bereits bewiesen. So hat die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte bereits vor Jahren soziale Erhaltungsverordnungen beschlossen, etwa in der Südlichen Neustadt.

    Ihre ursprüngliche Frage drehte sich um die Ansiedlung der Universität auf dem Kleinen Grasbrook. Sie müssen sich bei allen Diskussionen fragen, was die Alternativen sind. Eines ist sicher: Die Entwicklung wird nicht auf dem Status Quo stehenbleiben. Wir haben die Wahl zwischen noch mehr Verkehr und noch mehr Lärm, oder neuen und teureren Wohnungen, oder einer Universität mit einer moderateren Entwicklung. Vielleicht gibt es noch andere Lösungen. Im Augenblick sehe ich für uns keine attraktivere, als die Universität auf den Kleinen Grasbrook zu verlegen.

    Die Menschen au der Veddel wünschen sich weiterführende Schulen in der Nähe, bessere Einkaufsmöglichkeiten, noch schönere Restaurants und Plätze zum Aufhalten, mehr Ärzte und weniger Lärm. Ich meine diese Ziele können wir nur erreichen, wenn wir die bestehende Isolation des Insel Veddel durch die Belebung des Kleinen Grasbrookes verringern. Die Universität ist eine Chance dazu.

    Und selbst wenn sie nicht kommt, bleibt die Idee den Kleinen Grasbrook für eine städtebauliche Entwicklung zu öffen in den Köpfen haften. Ich finde das gut.

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