Vierhundertachzigtausend Euro fuer Corny

Vierhundertachzigtausend Euro fuer Corny

Diese beiden Geschichten haben natürlich nichts miteinander zu tun, außer, das sie mir am gleichen Tag begegnet sind. Denn wenn man sie in Verbindung bringt, ist das natürlich bloß Populismus, Polemik und vollkommen unsachlich. Und das darf ein anständiger Politiker ja nicht machen.

Mittags war ich auf einer Veranstaltung in unseren Nachbarstadtteil St. Pauli. Ich freue mich immer dort eingeladen zu werden, und lasse mich gern von den interessanten Referenten informieren.

Gestern war Fahrid Müller, der Wahlkreisabgeordnete der GAL vor Ort, und er hatte in ganzes Füllhorn dabei.

Mehr Geld gibt es erstens für die Kulturförderung, auch für Corny Littmanns Privattheater St. Pauli. Kulturförderung ist wichtig, da gibt es nichts. Und obwohl Corny bisher nicht am Hungertuch zu nagen schien, kann das Theater St. Pauli ja wohl nicht schlechter behandelt werden, als das Ohnsorg-Theater.

Mehr Geld gibt es aber auch für Sozialtickets, und für Wohnungen für Hilfeempfänger. Um es klar zu sagen: Das ist ein sehr guter Schritt.

Mehr Geld gibt es auch für die Gestaltung von Straßen und Plätzen, und vielleicht könnte man ja auch auf der Reeperbaahn noch etwas finanzieren.

Mehr Geld gibt es für die Elbphilharmonie, aber bitte redet nicht darüber! Der Bürgermeister bittet, das gaaanz vertraulich zu behandeln, damit seine Verhandlungsposition gegenüber der Baufirma nicht verschlechtert wird! Pssst! Feind hört mit!

Mehr Geld gibt es noch nicht so richtig für die Jugendhilfe. Die Volkspartei SPD hat ja noch ein paar Bezirksamtsleiter, die können ja mit dem Bezirk Mitte solidarisch sein. Es ist ja nicht die Schuld des Senates, das jeder Bezirk möglichst viel von den Mitteln abbekommen will. Fahrid hat da antike Vorbilder: Teile und herrsche! Sollen sich die Sozis um die Brocken raufen, die wir ihnen hinwerfen!

Mehr Geld, mehr Geld, mehr Geld. Doch, woher nehmen und stehlen? Wo doch die Konjunktur lahmt, und wir nicht wissen wie es mit den Steuereinnahmen weitergeht? Und wo wir der HSH-Nordbank unser Geld verzockt hat, und wir auf gute Dividendenzahlungen verzichten müssen! Wo kommt das viele Geld eigentlich her?

Doch in diesem Rahmen, in einem Nachbarstadtteil in dem ich zu Gast bin, in diesem Kreis, da will ich nicht unhöflich sein. Ich schweige, betrachte die zufriedene Zuhörerschaft und frage mich ob es noch jemanden gibt, der sich fragt wie das schöne Füllhorn bezahlt wird.

Nachmittags treffe ich im Supermarkt eine Genossin, die mir eine Neuigkeit erzählt:
Die Schule Rahmwerder Straße in Georgswerder wird geschlossen!
Die einzige Schule im Quartier, eine Grundschule für die kleisten,  macht zu. Die nächste Schule ist weit weg, aber fünf Kilometer weiter wird ja die “Tor zur Welt Schule” gebaut. Kurze Beine kurze Wege, ein Slogan von gestern! Wir brauchen ein Fitnessprogramm für unsere Kleinsten! Schließlich ist das unsere Bildungsoffensive Elbinseln! Einschließlich Schulschließungen, weil für die nötige Renovierung offensichtlich kein Geld da ist!

Das die Schulschließung mit den 480.000,00 Euro für Corny Littmanns Privattheater zu tun hat ist natürlich nicht wahr, da gibt es überhaupt keinen Zusammenhang. Denn das zu behaupten wäre ja polemisch, übler Populismus! Das sind ja schließlich ganz andere Haushaltspositionen!

Ich bestreite also, das es da einen Zusammenhang gibt, ausser das mir beide Nachrichten am gleichen Tag begegnet sind.

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