Der Senat hat die lang erwartete Entscheidung gefällt. Der Freihafen wird erheblich verkleinert. Das ist eine große Chance, sie hat nur einen Pferdefuß.
Versprechen sich die Verantwortlichen doch von der Aufhebung der Zollgrenzen, und der damit zukünftig überflüssigen Zollkontrollen, doch einen flüssigeren Verkehrsfluss im Hafen. Der Stau auf der Köhlbrandbrücke dürfte in Zukunft wesentlich seltener vorkommen, vorausgesetzt die Kreuzungen leiten den Verkehrsansturm schnell genug ab. Denn laut “Welt” rechnet die Hamburg Port Authority (HPA) allein durch die Aufhebung der Zollgrenzen mit einem 10% höheren Verkehrsaufkommen.
Es gibt allerdings ein weiteres Problem, das noch nicht geklärt ist. Die Aufhebung der Zollkontrollen öffnet zwei Durchfahrten, die bisher in den Nachtstunden und an Wochenenden für den Verkehr gesperrt waren.
Das bedeutet zusätzlichen Verkehrslärm in den besonders empfindlichen Zeiten für die in den umliegenden Stadtteilen lebenden Bevölkerung. Ungeklärt ist auch die Frage, ob die ehemalige Zufahrt Veddeler Damm wieder geöffnet wird.
Doch damit nicht genug. In Zukunft wird die zollrechtliche Abfertigung der Importwaren direkt an den Terminals erfolgen. Das eröffnet für die Speditionen die Möglichkeit, den Hafen vierundzwanzig Stunden am Tag zu verlassen. Eine weitere Zunahme des Frachtverkehrs in den Wohngebieten auf den Elbinseln wäre die unausweichliche Folge.
Das Problem bereits im Frühjahr erkennend, haben wir einen Antrag durch die Gremien der Bezirksversammlung gebracht, der sich dieses Themas annimmt:
Antrag
der Abgeordneten Klaus Lübke, Fred Rebensdorf, Byram Inan (SPD), und Fraktion vom 02.06.2008
Wilhelmsburg, Veddel und der Kleine Grasbrook müssen bei Aufhebung des Freihafens vor zusätzlichen Belastungen durch verkehrserzeugtem Lärm geschützt werden.
In dem für diese Walperiode auf Bürgerschaftsebene geschlossenen Koalitionsvertrag zwischen der GAL und der CDU wurde vereinbart, den Freihafen entweder radikal zu verkleinern, oder ganz aufzuheben.
Die Abschaffung der jetzigen Zollgrenzen hätte für die Abwicklung des Verkehres innerhalb des Hafens viele Vorteile. Insbesondere könnten Staufallen beseitigt, und die Straßen effizienter genutzt werden.
Was auf der einen Seite zu begrüßen ist, birgt auf der anderen Seite aber die Gefahr, dass die Wohngebiete in Hafennähe zusätzlichen Belastungen insbesondere durch LKW-Verkehr ausgesetzt werden.
So führt die Aufhebung der Zollämter am Reiherstieg-Hauptdeich und der Tunnelstraße zum Wegfall der Sperren in der Nacht und am Wochenende. Der für Kraftfahrzeuge bereits sehr lange komplett geschlossene Übergang am Veddeler Damm würde ebenfalls wieder geöffnet werden.
Wenn Waren in Zukunft direkt in den Zolllagern abgefertigt werden, besteht die Gefahr, das die Bevölkerung auch in den sensiblen Nachtstunden durch zusätzlichen Güterverkehr gestört wird.
Die Bezirksversammlung möge daher beschließen:
- Die Zuständigen Stellen, insbesondere die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) wird aufgefordert zu Untersuchen, wie sich der straßengebundene Güterverkehr nach Aufhebung der Freihafengrenzen entwickeln wird, und wie und wo zusätzlicher Lärm entsteht.
- Die zuständigen Stellen, insbesondere die BSU wird aufgefordert, ein Konzept zur Verminderung verkehrserzeugten Lärms in den Stadtteilen Wilhelmsburg, Veddel und Kleiner Grasbrook (hier ist insbesondere die Harburger Chaussee zu nennen) zu entwickeln, und die neben der bereits bestehenden Lärmbelastung die durch die Aufhebung des Freihafens entstehenden weiteren Belastungen zu berücksichtigen.
Es liegt auch eine antwort der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt vor, die gibt es hier als PDF: [Mitteilung der BSU zum Antrag Aufhebung Freihafen]
Es sieht so aus, als sei es dringend nötig, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen.
Link: Bericht zum Thema in der [Harburger Rundschau]

