Diese Woche wurde noch einmal die Geschichte über die Videos von Veddel Streetz und die Arbeit des HdJ Veddel aufgerührt. Das gibt mir Gelegenheit, noch einmal zu erklären, worum es mir geht: Eine differenzierte Diskussion.
Jugendliche, nicht nur auf der Veddel sondern überall, pflegen ihre eigene Kultur und sind auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Viele finden falsche Vorbilder. Sogenannte Gangsta-Rapper, Bushido, Sido oder Public Enemy stehen mit problematischen Liedern und Texten ganz hoch im Kurs, ihre Botschaften werden auch von den Medien verbreitet.
Hip Hop ist die am weitesten verbreitete Jugendkultur, und auch die noch nicht ganz Erwachsenen in meinem Stadtteil gehören zu ihren Anhängern.
Die Häuser der Jugend machen eine offene Jugendarbeit. Offen bedeutet, das die Jugendlichen das HdJ freiwillig aufsuchen. Wir erwarten ganz selbstverständlich, das sich die Betreuer gerade auch um die problematischen Jugendlichen kümmert, um “sie von der Straße zu holen”, wie es oft heißt, und um ihnen Werte und Perspektiven zu vermitteln.
Dabei müssen sie notwendigerweise auf die Jugendlichen eingehen, sie da abholen wo sie sind. Anders kann das gar nicht funktionieren. Manchmal kommt es auch dabei zu einer Gratwanderung, die man kritisch, aber bitte konstruktiv begleiten muss.
Wer will denn bestreiten, das diese Aufgabe in den Arbeiterstadtteilen unser Städte besonders wichtig ist? Da, wo die Jugendlichen wegen ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft in unser Gesellschaft immer noch geringere Chancen als Andere haben?
Was soll denn die Alternative sein? Die Polizei?
Dieser wichtigen und schwierigen Arbeit im Bezirk Hamburg-Mitte werden aber vom Senat Steine in den Weg gelegt. Jahr für Jahr wird das Budget zusammengekürzt, müssen Stellen gut ausgebildeter Pädagogen gestrichen werden.
Ja, die Jungs auf der Veddel geben sich hart. Und sie, nicht das HdJ, haben Videos bei Youtube eingestellt, die mir nicht gefallen. Wie auch, sie strotzen nur so vor Gewaltausdrücken, um es gelinde zu sagen.
Das HdJ Veddel hat sich dieser Jugendlichen angenommen, hat mit Ihnen gearbeitet. Zur Unterstützung wurde einen Honorarvertrag mit einem Rapper der sich “Faro” nennt abgeschlossen. Er sollte die Jugendlichen erreichen, sie in das Haus bekommen. Damit war er durchaus erfolgreich.
Es entstanden eine Reihe von Produktionen, meist in Zusammenarbeit mit anderen Trägern, darunter auch der Polizei Hamburg. Zwei dieser Produktionen haben sogar wichtige Jugenfilmpreise gewonnen.
Schließlich ist die Gruppe “Veddel Streetz” sogar bei einem Fest des Bundesfamilienministeriums aufgetreten, und wurden dort durchaus gefeiert. Dazu war es natürlich nötig, die Jungs von dem Weg zu bringen den sie am liebsten beschreiten. Weg vom Gangsta-Rap.
Das ist auch zu einem Teil gelungen, und das dokumentiert das Video “Steh auf!”. Ich finde es markiert einen Fortschritt, trotz einer Zeile deren Inhalt ich auch nicht richtig finde. Einen Fortschritt, nicht das Ende des Weges. Einen Fortschritt, den ich, weil ich ihn gut fand auf meiner Webseite beschrieben habe. Ein Lied, das abgesehen von einer Textzeile, gut genug war als Beispiel erfolgreicher Arbeit des Ministeriums zu dienen.
Allerdings, und auch das muss man zugeben, hat sich herausgestellt, das Faro, der übrigens vor seiner Einstellung ein sauberes Führungszeugnis vorweisen musste, nicht der richtige Betreuer für die Jugendlichen gewesen ist. Es gab eine kritische Begleitung seiner Arbeit, und es gab Diskussionen darüber. Schließlich wurden Konsequenzen gezogen, und nach zusammengerechnet dreißig Arbeitstagen wurde sein Vertrag nicht erneuert.
Das alles geschah übrigens ohne irgendeine Einmischung der Medien, der Politik oder gar meinerseits.
Ich fand das richtig, und ich stehe nach wie vor dazu. Das HdJ hat sich um die Jugendlichen zu kümmern, und es hat ein Experiment gewagt. Das Experiment trug Früchte, hatte aber auch negative Seiten. Man hat sich kritisch hinterfragt, und Konsequenzen gezogen. Das war im Mai, sieben Monate bevor die Medien dieses Thema entdeckten.
Und die CDU Hamburg-Mitte?
Zunächst muss ich sagen, das sie sich nicht informiert hat, sie hat nicht mitbekommen was war. Die CDU-Abgeordneten haben mir vorgeworfen, ich hätte etwas verschwiegen, etwas zu verbergen.
Der Unterschied zwischen mir und den CDU-Abgeordneten ist aber ein anderer. Ich weiß nur mehr über das HdJ, weil ich mich ab und zu vor Ort informiere, und mit den Verantwortlichen spreche.
Im Regionalausschuss hat die CDU einen Antrag gestellt. Einen Antrag der im Text eine Reihe von falschen Behauptungen aufstellte. Einen Antrag der forderte informiert zu werden.
Die Debatte darüber war für mich der absolute Tiefpunkt der politischen Kultur wären meiner ganzen Abgeordnetentätigkeit. Die CDU-Vertreterin machte mir und den Mitarbeitern des HdJ derart unglaubliche Vorwürfe, das ich froh war, das darüber kaum berichtet wurde.
Die CDU hat natürlich einen Anspruch darauf, umfassend informiert zu werden. Dafür gibt es auch ein Mittel, und das nennt man Anfrage. Wenn man Informationen haben möchte, stellt man eine Anfrage, keinen Antrag. Und wenn man diese Anfrage debattieren möchte, stellt man eine große Anfrage.
Anträge werden abgestimmt, und weil wir die in dem Antrag getroffenen Aussagen für falsch hielten, und weil es ein wirklich grober handwerklicher Fehler war keine Anfrage, sondern einen Antrag zu stellen, haben wir ihn abgelehnt. Wir haben die CDU aufgefordert, eine Anfrage im zuständigen Jugendhilfeausschuss zu stellen. Da gehört sie hin, und dort wird auch nichts verschwiegen.
Die CDU versucht auf der Welle der medialen Aufmerksamkeit zu reiten, und ihr Süppchen zu kochen. Ihnen geht es nicht um eine differenzierte Auseinandersetzung. Ihnen geht es darum Punkte gegen die SPD zu machen. Ob dabei der Jugendarbeit geschadet wird, ist ihnen egal. Und das es ihr Senat war, der durch ständige Kürzungen die Entlassung dringend benötigter Pädagogen erzwungen hat, blenden sie einfach aus. Verantwortungsvoll ist das nicht. Ich nenne es unverantwortlich.
Mir geht es um die Jugendlichen und um unsere Stadtteile. Ich finde weder Gewaltvideos noch Verschwörungstheorien gut. Mir geht es darum eine kritische, offene, zielorientierte Diskussion zu führen, wie wir die junge Generation auf den richtigen Weg bringen. Wie wir ihnen Werte vermitteln. Werte wie Toleranz, Respekt, Liebe, Fleiß, Vertrauen.
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Mittlerweile ist Mittwoch, der 14. Januar, und die Diskussion ist neu entbrannt, und ich sehe mich gezwungen noch einmal wegen falscher Behauptungen Stellung zu nehmen:
Ich lehne es ab, das Menschen bedroht werden. Es ist nicht hinnehmbar, das “Faro” oder irgend eine andere Person einen Redakteur, oder irgendeine andere Person, in einem Lied oder auf seiner Webseite oder auch nur verbal droht, und zwar unabhängig davon, ob diese Drohung ernst gemeint ist oder nicht.
Ich habe mich stets von gewaltverherrlichenden und sexistischen Texten distanziert. Wer etwas Anderes behauptet sagt nicht die Wahrheit. Ich habe mich in dem Augenblick positiv über die Gruppe “Veddel Streetz” geäußert, als sie ein Lied veröffentlicht hat das die Kriterien Gewaltverherrlichung uns Sexismus nicht erfüllt hat.
Wenn das, was ich heute in der TAZ gelesen habe zutrifft, dann stehen wir zu diesem Zeitpunkt in der Jugendarbeit vor dem Scherbenhaufen, den ich von Beginn an befürchtet, und vor dem ich den Redakteur der TAZ gewarnt habe. Die Folgen der aus meiner Sicht einseitigen Berichterstattung sind sogar schlimmer als ich mir ausgemalt habe. Aus diesem Grund habe ich die TAZ und andere kritisiert.
Die Jugendlichen um die es in der Berichterstattung geht, stehen unter einem großen öffentlichen Druck. Es handelt sich im junge Leute aus einem Arbeiterstadtteil, die, wenn sie nicht noch zur Schule gehen vielleicht einen Haupt- oder Regelschulabschluss erreicht haben. Sie sind offensichtlich nicht in der Lage mit der Situation von der Presse angegriffen zu werden angemessen umzugehen, und sie reagieren falsch. Auch für sie gilt meine erste Stellungnahme über die Unzulässigkeit von Drohungen. Auch ihnen gegenüber wird man das deutlich machen müssen. Ich bin aber der Ansicht, das ihre Situation berücksichtigt werden muss, und sie anders beurteilt werden müssen als “Faro” selbst. Es handelt sich auch um einen Konflikt zwischen hochgebildeten und mächtigen Medienprofis mit relativ einfachen Leuten.
Wenn ich selbst etwas bereue, dann, das ich zu einer Debatte beigetragen habe. Sie richtet in der Form wie sie geführt wird offensichtlich Schaden an, nicht nur bei dem HdJ vor Ort. Auch andere Jugendhilfeträger werden sich überlegen, ob sie sich um problematische Jugendliche bemühen sollten. Denn wenn ihnen dabei ein Fehler unterläuft, kann es ihnen passieren das sie, auch wenn sie diesen Fehler bereits vor Monaten ausgebügelt haben, aufs heftigste öffentlich kritisiert werden.
Ich fordere alle an der Debatte beteiligten auf, kein Öl mehr ins Feuer zu gießen. Die öffentliche Diskussion sollte mit einem klaren Bekenntnis zur Pressefreiheit beendet werden. Und wir brauchen eine Debatte, wie wir die Jugendarbeit in der heutigen Zeit verbessern können.