Zum 90. Geburtstag von Helmut Schmidt

Helmut Schmidt

Helmut Schmidt

Heute feiert Helmut Schmidt seinen 90. Geburtstag.
Es war an einem Sonntag Morgen, wahrscheinlich am 12. Mai 1974. Ich war elf Jahre alt, als mir Helmut Schmidt das erste mal aufgefallen ist.
Gerade war zu meinem Entsetzen Willy Brandt zurückgetreten. Ich war bei meinem Vater, und wir schauten gemeinsam in den neuesten “Stern”. Dort war ein Bild des Bundeskabinettes über zwei Seiten, und der “Stern” frage, wer wohl der neue Bundeskanzler werden solle. Ich schaute mir die Bilder an, und suchte mir denjenigen aus der in meinen Augen am besten aussah. Und der wurde es dann auch. Er war der erste Bundeskanzler, den ich mir selbst ausgesucht habe.

Eine klare Erinnerung habe ich auch an den Moment, als Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgewählt wurde. Es war der 1. Oktober 1982, und ich jobbte bei einem Schraubengroßhändler in Poppenbüttel. Damals war die Firma in einem Privathaus untergebracht, und ich sortierte in der Doppelgarage die Ware, während die Bundestagsdebatte im Radio lief.

Begegnet bin ich ihm selbst allerdings erst viel später. Das war passenderweise in der Führungsakademie der Bundeswehr in Blankenese. Helmut Schmidt eröffnete dort als Schirmherr am 6. September 2006 die Ausstellung: „Für eine starke Republik! Reichsbanner Schwarz Rot Gold!“.

Die Soldaten hatten ihre ganz eigene Art unseren ehemaligen Verteidigungsminister zu ehren. Es gab auf dem Podium drei Stühle. Einer für den Vorsitzenden des Reichsbanners, Hans Bonkas. Vor ihm stand ein Mikrofon, ein Namensschild und eine Flasche Wasser. Der Platz des Kasernenkommandanten war ebenso ausgestattet. Der Platz in der Mitte aber war für Helmut Schmidt vorgesehen. Dort standen zwei Mikrofone, eine Flasche Wasser und ein riesiger Aschenbecher. Auf dem Namenschild stand: “Bundeskanzler a.D. Dr. h.c. mult. Helmut Schmidt”
Die Ausstellung stand unter dem Motte “Demokratie braucht Demokraten”. Wie so oft schrieb uns Helmut Schmidt auch dieses mal etwas ins Stammbuch: Demokratie braucht wirklich Demokraten, aber die müssen sich auch anstrengen. Wenn die Demokraten es nicht vermögen stabile Verhältnisse zu schaffen, Massenarbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit zu beseitigen, dann würde auf die Dauer auch die Demokratie ihre Akzeptanz verlieren.

Immer Staatsmann, der die großen Linien der Weltpolitik skizziert, griff er  einmal doch in die Kommunalpolitik in Hamburg-Mitte ein:

Der Senat wollte auf den alten Domplatz in Hamburg bebauen. Der Entwurf war nicht schön, und die Bezirksversammlung lief Sturm gegen die “Lackierhalle” im Zentrum. Doch vergebens, regierte doch die CDU die Stadt mit absoluter Mehrheit.

Da erschien ein kurzer Kommentar in der “Zeit”. Denn der Domplatz grenzt an dessen Gebäude, und die Lackierhalle wäre vor dem Fenster von Helmut Schmidts Büro errichtet worden. So geißelte er die moderne Architektur als “seelenlos” und schrieb der Entwurf könne auch als “Hauptbahnhof von Stuttgart” realisiert werden.

Das Rauschen im Blätterwald war gewaltig, und die Leserbriefe zahlreich. Der Senat musste sich zu Sondersitzungen treffen. Das Ergebnis: Nachdem Gesichtswahrung betrieben wurde, war der Entwurf wenige Wochen später  beerdigt. Wenige Zeilen hatten dafür ausgereicht. Aber sie waren von Helmut Schmidt.

Helmut Schmidt: Portrait der Deutschen Welle zum 90. Geburtstag


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4 Kommentare.

  1. Ein Tipp: Schickt man Trackbacks in Beitrag eines anderen Blog, ohne diesen in seinem eigenen Beitrag zu verlinken, landet man ganz schnell in der Spamliste von Aksimet.

  2. blogring.org - trackback on 3. Januar 2009 um 11:09

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