Stellungnahme des Jugenddezernats Hamburg-Mitte zu den Vorgängen um die Gruppe Veddelstreetz

Bezirksamt Hamburg-Mitte

Bezirksamt Hamburg-Mitte

Das Jugenddezernat des Bezirksamtes hat zu den Videos von “Veddel Streetz” offiziell Stellung genommen. Ich veröffentliche den Text hier, weil dem meiner Ansicht nach nichts hinzuzufügen ist:

Alle Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Bezirksamtes Hamburg-Mitte wenden sich als Grundversorgung an die in den jeweiligen Sozialräumen lebenden Kinder und Jugendlichen und machen insbesondere denjenigen ein Angebot, für die kostenfreie attraktive Freizeit- und außerschulische Bildungsangebote anderweitig nicht zugänglich sind. Deshalb werden in allen Einrichtungen die Interessen und Bedürfnislagen der Kinder und Jugendlichen aufgegriffen und entsprechende Projekte initiiert.

Diese Angebote und Projekte haben unterschiedliche Schwerpunkte und liegen, je nach den Bedürfnissen vor Ort, mehr im Bereich des Sports, der Musik, der modernen Medien oder in sonstigen thematischen Bereichen. Dabei sollen die Jugendlichen „dort abgeholt werden, wo sie stehen“, dies ist Konsens in der offenen Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk Hamburg- Mitte. Deshalb ist es wichtig, auch moderne Musikrichtungen aufzugreifen und entsprechende Angebote zu konzipieren. Dies ist ein gutes Mittel, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und die Werte und Normen zu thematisieren, die für ein soziales Gemeinwesen und ein demokratisches Miteinander eingeübt werden müssen. Dabei kann es durchaus auch zu Problemen und Konflikten kommen, die vor Ort bewältigt werden müssen. Es liegen naturgemäß auch Risiken in solchen Prozessen, da die Beeinflussung von Menschen und die Bewirkung von Verhaltensänderungen zu den schwierigsten pädagogischen Aufgaben gehören, um so schwieriger, je problematischer die Lebenslagen sind, in denen die Jugendlichen sich befinden.

Dieser Herausforderung stellen sich die Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk, mit dem Ziel, eine pädagogisch hochwertige und integrative Arbeit zu leisten.

Dies vorausgeschickt, nimmt das Jugenddezernat zu den jüngsten Vorkommnissen wie folgt Stellung:

Die Veddelstreetz sind eine lose Gruppe von etwa 10-15 Jugendlichen und Jungerwachsenen, die eigenständig Hip-Hop produzieren und performen. Einige von ihnen sind Stammbesucher des Hauses der Jugend. Den Mitarbeitern des Hauses der Jugend war bekannt, dass die Jugendlichen sich auch von Tendenzen der Hip-Hop-Kultur beeinflussen ließen, die als Gewalt verherrlichend oder sexistisch zu beurteilen sind. Gerade deswegen hatten sich die Mitarbeiter des Hauses der Jugend entschlossen, sich im Rahmen eines über das Programm „Lokales Kapital für Soziale Zwecke“ (LOS) geförderten Projekts mit den Jugendlichen über ihre Texte auseinander zu setzen.

Gewaltverherrlichende, sexistische oder nationalistische Texte als Ergebnis von gruppen-pädagogischen Prozessen werden dabei nicht toleriert. Als die Leitung des Hauses der Jugend Veddel bemerkte, dass, von einer in diesem Projekt arbeitenden Honorarkraft, Texte unterstützt wurden, die nicht mit dem in der pädagogischen Auseinandersetzung vertretenen Menschenbild übereinstimmten, wurde dieser Honorarkraft gekündigt. Dies geschah noch im Vorfeld eines Auftritts der Veddelstreetz im Rahmen der LOS-Abschlussveranstaltung in Berlin.
Die Mitarbeit der Jugendlichen im Rahmen dieser Veranstaltung in Berlin, ihre Einordnung in die Gruppe der Reisenden aus Hamburg und ihr Auftritt wurden von allen Beteiligten positiv bewertet.

Gleichwohl weist eine private Website der Jugendlichen Inhalte auf, die in der pädagogischen Arbeit in einer Jugendeinrichtung nicht zu akzeptieren sind.
Die Mitarbeiter des Hauses der Jugend, wie auch im übrigen das Bezirksamt, haben keinen direkten Einfluss darauf, was die Jugendlichen außerhalb des Hauses und in ihrer Freizeit produzieren und ins Internet stellen. Aber gerade dieser Umstand und beispielhaft der Konflikt um die jugendliche Gruppierung der Veddelstreetz machen deutlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kinder- und Jugendeinrichtungen versuchen müssen, Jugendliche mit ihren Anliegen und Ausdrucksformen anzusprechen, um überhaupt eine Form der kritischen Auseinandersetzung zu ermöglichen. Dabei muss auf die gebotene pädagogische Form dieser Auseinandersetzung und auf Ergebnisse geachtet werden, die unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung entsprechen.

Es sei abschließend darauf hingewiesen, dass die Veddelstreetz unter anderem auch die Musik für den Film “Blind Date” (1. Deutscher Jugendvideopreis 08) produzierten. Dieser Film ist inzwischen ein Schulungsfilm der polizeilichen Kriminalprävention.

Dr. Ruf

Similar Posts:

Kommentar schreiben

Hinweis - Du kannst dies benutzenHTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>