Die ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm

Bullenhuser Damm

Bullenhuser Damm

Heute habe ich die Gedenkstätte für die ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm besucht. Am 20 April 1945 wurden im Keller dieser Schule in Rothenburgsort 20 Kinder erhängt, an denen der SS-Arzt Kurt Heißmeyer zuvor grausame medizinische Experimente durchgeführt hat. Mit den Kindern wurden vier Begleitpersonen ermordet. In der gleichen Nacht wurden noch zwanzig weitere Kriegsgefangene erhängt.

Die Kinder hatte Heißmeyer bei seinem Kollegen Josef Mengele in Auschwitz bestellt, und für die Experimente in einer abgeschiedenen Baracke im KZ Neuengamme untergebracht. Um das Verbrechen vor den herannahenden Britischen Truppen zu verwischen, wurden die Kinder in die Schule Bullenhuser Damm gebracht. Damals lag dieses Gebäude in einem unzugänglichen Sperrbezirk, der nach den Bombadierungen Hamburgs wegen der Gefahr von Seuchen, einstürzenden Trümmern und Blindgängern eingerichtet worden war. Es schien in seiner Abgeschiedenheit ein idealer Ort das Verbrechen unbemerkt auszuführen.
Doch die Anwesenheit der Kinder war unter den KZ-Insassen in Neuengamme nicht unbemerkt geblieben, und so fahndeten die Briten nach ihrem Einmarsch in Hamburg bald nach den Tätern. Sie wurden fündig.


Während einige Mittäter bereits kurz nach Kriegsende gefasst und am 3. Mai 1946 im Curiohaus-Prozess zum Tode verurteilt wurden, konnte Heißmeyer unbehelligt unter seinem richtigen Namen weiter praktizieren, bis im Jahre 1963 die Ermittlungen aufgrund einer Veröffentlichung im Stern von 1959 zu seiner Verhaftung in der DDR führten. Er wurde 1966 zu lebenslanger Haft verurteilt und verstarb dort 1967. Der im Curiohaus-Prozess belastete SS-Hauptsturmführer Arnold Strippel, der wegen anderer Verbrechen inhaftiert gewesen war, wurde im Jahre 1979 im Stern der Mittäterschaft beschuldigt. Mehrfach stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. 1983 wies die Justizsenatorin die Staatsanwaltschaft an, Anklage gegen Arnold Strippel zu erheben. Das Verfahren wurde 1987 wegen Verhandlungsunfähigkeit des Beschuldigten eingestellt.

Dem Journalisten Günther Schwarberg ist es durch seine Recherchen, seine Zeitschriftenartikel im Stern im Jahre 1979 und sein Buch Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm gelungen, die Namen der Kinder vor dem Vergessen zu bewahren, die Täter anzuprangern und die Erinnerung an diese Untat mahnend wach zu halten.
Heute liegt die Gedenkstätte im Keller auf der Rückseite des Gebäudes. Ich war sehr erfreut, das einige Besucher hierher gefunden hatten. Es waren vorwiegend jüngere Leute, die sich für die Geschichte des Gebäudes interessierten.

Bemerkenswert, das der CDU-Senat das im Besitz der städtischen Sprinkenhof AG befindliche Gebäude im Mai 2005 auf eine Liste von zu verkaufenden Gebäuden setzte. Auf die Frage, was im Falle eines Verkaufes aus der Gedenkstätte werden sollte, antwortete der Vorstandssprecher Henning Tants nach Angabe eines Augenzeugen die Gedänksstätte sei ihm egal.”Mich interessiert nur, wer die Miete und  wer die Betriebskosten bezahlt.” Henning Tants war bevor er den Job bei der Sprinkenhof AG bekam Chef der CDU Hamburg-Mitte. Das ist die selbe CDU dessen Abgeordneter Haufler im vergangenen Jahr im Kulturausschuss tönte das nur wenige 100 Meter entfernte Denkmal für die Bombardierung Rothenburgsorts sei der CDU “eine Herzensangelegenheit” wei man “jetzt endlich wieder der Deutschen Opfer” des Krieges gedenken dürfe.

Die Gedänkstätte am Bullenhuser Damm ist Sonntags von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen finden sie [hier]

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1 Kommentare.

  1. Inger-Kristina Wegener

    Zur Vervollständigung: ein weiterer Tatbeteiligter, der KZ Pathologe Hans Klein, wurde später mit einer Professur an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg versehen. Er starb 1984.
    Inger-Kristina Wegener

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