Die Norddeutsche Affinerie (NA) ein Industriebetrieb von großer Bedeutung, und auf gute Verkehrsanbindungen angewiesen. Da sollte man meinen, das auf diese Verbindungen ein entsprechender Augenmerk gelegt wird. Doch nun wurde die NA ist wurde durch Sperrung der Peutebrücke vom Schienenverkehr abgeschnitten, ohne das ein Unglück oder plötzliches technisches Versagen vorlag. Jetzt ist die NA über die unprofessionelle Informationspolitik der Bahn verärgert, und fordert schnellstmögliche Reparatur der Brücke.
Derzeit gibt es keine Informationen über Alternativkonzepte und keine verlässlichen Aussagen über die Dauer der Sperrung.
Vorgestern um 13 Uhr wurde die Logistik-Abteilung der NA per Mail vom Kundenzentrum der DB Cargo darüber informiert, dass die Peute-Eisenbahnbrücke — der einzige Anschluss des NA-Werks an das Schienennetz der Deutschen Bahn — um 15 Uhr für ca. 4-6 Wochen für Reparaturarbeiten gesperrt wird. Eine sofortige Anfrage bei DB Schenker ergab, dass für die Transporte der NA und anderer Betriebe auf der Peute kein Alternativkonzept vorliegt.
Die sofortige Sperrung der Brücke war vom Eisenbahnbundesamt angeordnet worden. „Das Vorgehen und die Informationspolitik der Bahn in dieser Sache sind katastrophal. Offenbar ist diese Brücke in einem solch schlechten Zustand, dass ein weiteres Befahren eine erhebliche Gefahr birgt“, sagte Dr. Bernd Drouven, Vorstandsvorsitzender der NA. „Das wirft die Frage auf, ob diese Brücke ausreichenden, regelmäßigen Wartungs- und Ausbesserungsarbeiten unterzogen worden ist.“ Nach den ersten Aussagen über eine Reparaturzeit von 4-6 Wochen,wurde der NA keine 24 Stunden später mitgeteilt, dass die Vollsperrung auch 6 Monate anhalten könnte.
Die NA transportiert über diese Brücke einen Großteil ihrer Produktion an Stranggussformaten (Kupferblöcke und -barren) sowie Gießwalzdraht und Schwefelsäure. Insgesamt werden jährlich rund 330.000 Tonnen per Bahn über diese Brücke für die NA transportiert. Bei einer Umstellung dieser Transporte von der Bahn auf LKW fallen nach ersten Berechnungen der NA neben erhöhtem organisatorischen Aufwand Mehrkosten in Höhe von über 3 Mio. € pro Jahr an. Mittlerweile hat sich DB Schenker bereit erklärt, die Mehrkosten sowie die organisatorische Umstellung auf LKW für ihr Transportvolumen (ca. 80% der Gesamtmenge) zu übernehmen. Offen ist noch die Kostenübernahme der übrigen Transportunternehmen, die das Netz der Bahn nutzen.
„Ich erwarte eine verlässliche Aussage über die voraussichtliche Dauer der Sperrung und eine schnellstmögliche Reparatur der Brücke. Für Hamburg und die Metropolregion ist eine zuverlässige und intakte Infrastruktur von essentieller Bedeutung“, so Dr. Drouven.
Es ist doch erstaunlich, wie verletzlich die Verkehrswege sein können. Wenigstens werden einige LKW-Spediteure noch Kapazitäten wegen der aktuellen Flaute übrig haben, und sich über diesen fetten Auftrag freuen können.


Peutebrücke gesperrt – Bahn AG bietet Transporte per Lastwagen an
Die von der Deutschen Bahn AG vergangenen Dienstag aus Sicherheitsgründen für den Güterzugverkehr im Veddeler Industriegebiet gesperrte Peutebrücke soll nach Angaben des Unternehmens ab 11. März wieder genutzt werden können. Während der Sperrzeit solle die aus dem Jahr 1908 stammende Brücke durch Lagerinstandsetzung und Austausch mehrerer Träger stabilisiert werden.
Bei einer Brückeninspektion im vergangenen Jahr war der Verschleiß festgestellt worden. Inzwischen liege ein Sanierungskonzept vor und im April sollte mit den Arbeiten begonnen werden. Daneben ergab nun ein Gutachten, dass rechnerisch eine Standsicherheit der Brücke nicht mehr nachzuweisen ist. Um Sicherheitsrisiken auszuschließen sei die Brücke deshalb kurzfristig gesperrt worden.
Die Norddeutsche Affinerie, Europas größte Kupferhütte, die über die Brücke jährlich 330 000 Tonnen Kupferprodukte und Schwefelsäure per Bahn transportiert, hatte gegen die kurzfristige Sperrung protestiert. Die Bahn AG erklärt nun, sie wolle dafür Sorge tragen, dass die Transporte für alle in diesem Hafengebiet betroffenen Betriebe über alternative Verkehrsmittel wie den Lkw gewährleistet werden.
gip
erschienen am 20. Februar 2009 in der Harburger Rundschau