Randvolles Bürgerhaus

Randvolles Bürgerhaus

“Ich hier gelernt, das wir dieses Thema nicht isoliert betrachten können. Geben Sie mir etwas Zeit, ich komme wieder.” So hatte Senatorin Anja Hajduk sich den Abend wohl nicht vorgestellt.  Schließlich kam Sie mit einigen Versprechen im Gepäck in das Bürgerhaus Wilhelmsburg, um die Wogen um die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße zu glätten. Doch am Ende musste Sie noch ein Versprechen drauflegen: Es wird ein umfassendere Planung für die Elbinseln geben in das die Frage der Verlegung der Reichsstraße eingebettet wird.

Das mehr als sechshundert Wilhelmsburger ins Bürgerhaus gekommen waren, dürfte die grüne Senatorin überrascht haben. Mit so viel Publikum wird sie nicht gerechnet haben. Um alle Interessierten zu fassen mussten der große und der kleine Saal gemeinsam genutzt werden. Dennoch blieb die Veranstaltung geordnet und diszipliniert. Durch eine kluge Moderation kam ein erster Austausch von Argumenten zustande.

Hajduk bezeichnete die Verlegung der Reichsstraße an die Bahn als “Riesenchance” für Wilhelmsburg. Sie versprach einen umfassenden Lärmschutz, und versuchte durch Grafiken zu überzeugen, das kaum jemand unter der Verlegung leiden, aber vor allem der Westen der Insel erheblich profitieren würde. Sie versprach auch, das die neue Reichsstraße nicht als Autobahn sondern als Bundesstraße gebaut werden würde. Eine vierspurige Bundesstraße wohlgemerkt. Und sie hat das Ziel formuliert, das die Verlegung mit der Gartenschau 2013 fertig sein soll.

Allerdings hat sie auch klar gemacht, das es eine Hafenquerspange zwischen der A7 und der A1 geben werde, und das diese Hafenquerspange eine Autobahn werden würde.  Das diese aber nicht als Verlängerung der aus Stade kommenden A26 an die Reichsstraße angeschlossen werden dürfte, hat sie wohl verstanden.

Die Reaktionen im Saal waren unterschiedlich. Während einige sich der Ansicht der Senatorin anschlossen, forderten andere ganz neue Lösungen. Sehr viel Skepsis wurde deutlich, und es wurde auch den vorgetragenen Rechnungen über den Umgebungslärm misstraut.

Angesichts der überwältigenden Beteiligung der Wilhelmsburger und ihrer Reaktion auf die vorgetragenen Sorgen musste die Senatorin schließlich einsehen, das diese Veranstaltung nicht ausreichen würde, und versprach zurückzukommen. Das hat sie wenigstens dem Herren von Beust voraus, der sich den Wilhelmsburgern trotz Einladung nie stellen wollte.

Ob sich daraus aber der gewünschte kooperative Prozess entwickelt, in dem Behörde, Wirtschaft und Bewohner auf Augenhöhe über die anstehenden Probleme diskutieren können ist offen. Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte wird heute fordern, das es keine Teillösungen gibt:

Was wir jetzt brauchen ist ein großer Wurf, ein Plan der die notwendige Verkehrsinfrastruktur beschreibt, und die Bewohner vor den negativen Folgen des Verkehrs so weitgehend wie möglich verschont.

Eine Verkehrskonferenz Elbinseln wurde bereits von verschiedenen Seiten, zuletzt vom Beteiligungsgremium der IBA/igs gefordert. Eine solche Konferenz müsste unter der Hinzuziehung wissenschaftlichen, ja internationalen Sachverstandes mit allen Betroffenen, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der Hamburg Port Authority, den Bezirksversammlungen, soweit sie betroffen sind, der Hafen- und Logistikwirtschaft einschließlich der Bahn, den betroffenen Industriebetrieben und nicht zuletzt den Bewohnern in einem kooperativen Beteiligungsverfahren durchgeführt werden. Sie müsste eine grundlegende Diskussion ermöglichen, und daher über mehrere Tage angelegt sein.

Eines wurde gestern aber auch deutlich: Die Besucher des Bürgerhauses waren überwiegend deutscher Herkunft. Die große Gruppe der auf den Elbinseln wohnenden Migranten hat sich in die Diskussion noch nicht eingeschaltet, obwohl sie ebenso betroffen ist. Es wird noch einiger Anstrengungen und viel Sinneswandel bedürfen, um dies zu ändern.

Der gestrige Abend hat ein Tor geöffnet. Bleibt abzuwarten, ob es genutzt wird.

Die Berichterstattung von RTL Regional:

Anbei zwei kurze Videos, die einen Eindruck über die Veranstaltung und die große Beteiligung vermitteln.

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Eine Antwort zu “Sternstunde für Wilhelmsburg: Bürger zwingen Hajduk in die Knie”
  1. [...] mit 1,2 Millarden Euro zu teuer gekommen wäre, suchte man nach anderen Lösungen. Vor zwei Wochen kam die Senatorin ins Bürgerhaus und versprach unter dem Eindruck des großen Bürgerinteresses, die Verlegung der [...]

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