Vor dem Haupteingang der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) an der Stadthausbrücke wurden heute zwei Stolpersteine verlegt, die an Carl Burmester und Gustav Schönherr erinnern. Beide wurden Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Das Stadthaus war in der Zeit von 1933 bis 1943 das Hauptquartier der Hamburger Gestapo.
Der Werftarbeiter Gustav Schönherr wurde gefoltert und im April 1933 aus dem Fenster zu Tode gestürzt. Der Schiffszimmermann Carl Burmester wurde ebenfalls im Stadthaus gefoltert und 1934 im Treppenhaus zu Tode gestürzt. Ein bereits im vergangenen Jahr an gleicher Stelle von der Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer verlegter dritter Stolperstein erinnert an den Verkäufer und Dekorateur Wilhelm Prull, der 1943 von der Gestapo ermordet wurde.
Peter Behrendt von ver.di erinnerte daran, dass Carl Burmester und Gustav Schönherr wie viele andere Opfer der NS-Zeit aus der Arbeiterbewegung stammten. Ihr entschlossener Widerstand galt auch dem Kriegstreiben des faschistischen Deutschlands. Der Kampf für Frieden und soziale Gerechtigkeit ist ihr Vermächtnis.
Der Stolperstein für Carl Burmester trägt folgende Inschrift:
CARL BURMESTER, * 12. 3 1901, SCHIFFSZIMMERMANN – KPD, IM STADTHAUS GEFOLTERT, UND IM TREPPENHAUS ZU TODE GESTÜRZT, + 17.9.1934
Carl Burmester war verheiratet mit Charlotte-Lotte Burmester, der späteren Ehefrau von Herbert Wehner. Er kam aus einer alten sozialdemokratischen Familie, trat aber zusammen mit seiner Frau in die KPD ein. Carl Burmester stand auch in Verbindung mit dem Maler Heinrich Vogeler aus Worpswede. Er beteiligte sich an „illegaler“ politischer Arbeit und wurde im Sommer 1943 verhaftet. Nach Aussagen seines Vaters Franz Burmester wurde Carl Burmester im Zusammenhang eines Verhörs vom Treppenhaus heruntergestürzt. Ins Hafenkrankenhaus überführt, konnte der Vater Carl Burmester nur noch tot sehen.
Der Stolperstein für Gustav Schönherr trägt folgende Inschrift:
GUSTAV SCHÖNHERR, * 31.8.1889, WERFTARBEITER – RFB, IM STADTHAUS GEFOLTERT, UND AUS DEM FENSTER GESTÜRZT, + 18.4.1933
Gustav Schönherr war Mitglied im Roten Frontkämpferbund (RFB), einer Organisation der KPD. Der RFB trat u. a. auf bei Demonstrationen und Veranstaltungen der KPD. Auch die SPD unterhielt eine Selbstschutzorganisation, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.
Gustav Schönherr war eines der ersten Opfer der gleichgeschalteten Polizei. Er stürzte während seiner Vernehmung durch die Staatspolizei im Stadthaus aus dem Fenster des obersten Stockwerks. „Schönherr, angeblich in selbstmörderischer Absicht im Haus des Kommando zur besonderen Verwendung (KZBV), Große Bleichen, aus dem Fenster gesprungen. Auf seinem Sterbebett erklärte er seinem Vater, man habe ihn nach entsetzlichen Misshandlungen aus dem Fenster geworfen“ (Auszug aus einem anonymen Schreiben, das in Hamburg im Sommer 1934 in großer Zahl Staatsanwälten, Pastoren, Rechtsanwälten und weiteren bekannten Persönlichkeiten zugeschickt wurde. Zitiert nach dem Gedenkbuch „Kola-Fu“, herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg 1987.)
Der bereits für Wilhelm Prull verlegte Stolperstein vor der Stadthausbrücke 8 trägt folgende Inschrift:
WILHELM PRULL, JG. * 1910, GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET, WÄHREND VERHÖR IM STADTHAUS, SPRUNG AUS DEM FENSTER, TOT + 8.3.1943
Wilhelm Prull stammt aus Zetel in Oldenburg und arbeitete in Hamburg als Verkäufer und Dekorateur. Wilhelm Prull wurde am 6. März 1943 vom Kriminalkommissariat „zur Bekämpfung der Homosexualität“ festgenommen und wegen „widernatürlicher Unzucht“ angezeigt. Wilhelm Prull ist einer von insgesamt 54 homosexuellen NS-Opfern in Hamburg, die sich vor oder während der polizeilichen Ermittlungen selbst töteten.
Auch auf der Veddel gibt es einen Stolperstein. Er erinnert seit dem 3. Mai 2006 an den Reichsbannermann und Sozialdemokraten Otto Lang, und liegt vor dem Haus Am Gleise 8.
1924 trat Ernst Lang in das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ein, und war in der SPD Rothenburgsort aktiv.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte Ernst Lang mit seinen Freunden die politische Arbeit fort. Er druckte regimekritische Flugblätter und verteilte aus Dänemark eingeschmuggelte illegale Schriften.
1935 wurde er verhaftet und im KZ-Börgermoor/Ems (dort ist das berühmte Lied “Die Moorsoldaten” entstanden) eingesperrt.
1938 kam Lang frei. 1942 wurde er zum Strafbataillon 999 eingezogen und kam am 6. Mai 1945, zwei Tage vor Kriegsende, ums Leben.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die von Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Freitod getrieben wurden. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen.
Im Januar spendeten die Mitglieder der SPD-Bürgerschaftsfraktion 45 Stolpersteine zum Gedenken an während der NS-Zeit verfolgte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten.
Es gibt zu dem ‘Thema auch ein bericht bei hh-heute.de.


moim moin klaus,
großes lob an dich , das du die erinnerung an die ermordeten des naziregiemes aufrechterhälst.
gruß
stefan dührkop