Es gibt Augenblicke im Leben, die lassen einen erst einmal entsetzt und schweigend zurück. Das war beispielsweise in der letzten Woche der Fall, als ich vom Tod der kleinen Lara erfuhr, die nur neun Monate alt geworden ist. Ich habe mich lange gefragt, ob ich hierüber etwas in meinem Blog darüber berichten soll. Zu dem Zeitpunkt an denen ich das hier schreibe ist noch nicht viel Klarheit über das Geschehen an die Öffentlichkeit gelangt.
Lara lebte in der Weimarer Straße bei ihrer 18 Jahre alten Mutter und ihrem 21 Jahre alten Stiefvater. Die erste Untersuchung ergab, das Lara kein Körperfett mehr hatte, und dehydriert war. Der Großvater und die Tanten von Lara machen dem Jugendamt Vorwürfe, es hätte sich nicht gekümmert, obwohl sie auf die schwierige Situation mehrfach aufmerksam gemacht hätten.
Laras Mutter selbst hat sich um ihre Tochter gekümmert, war aber wohl überfordert. Das Jugendamt hatte eine Betreuung durch das Rauhe Haus organisiert, doch zum Zeitpunkt des Todes war die Betreuerin im Urlaub, und die Vertretung noch nicht da gewesen.
Man fragt sich was falsch gelaufen ist. Ein Baby ist gestorben, etwas muss ganz gewaltig falsch gelaufen sein.
Sicher ist das Versagen zuerst bei den Eltern zu suchen. Doch wer hilft, wenn sie überfordert sind? Muss sich da nicht zuerst die Familie einschalten? Eine der Schwestern soll die Mutter, so konnte man lesen, angeschwärzt haben. Die Mutter würde ihr Baby misshandeln. Doch das stimmte wohl nicht, und die Mutter hatte Angst, das Jugendamt würde ihr das Kind wegnehmen. Mann muss wohl sagen, dass auch die Schwestern überfordert waren, denn ihr Handeln war nicht hilfreich, wenn es so gewesen ist. Die Situation von Lara wurde dadurch nicht besser, und die Schwester hatte wohl selbst keine weitere Möglichkeit mehr zu helfen.
Und der Großvater von Lara? Was hätte er tun können? Wir wissen es nicht.
Und was ist im Jugendamt falsch gelaufen? Schon vor der Geburt Laras hatte man ein zuverlässigen Träger mit der Betreuung der Mutter beauftragt. Und es schien gut zu laufen. Wie kann das Jugendamt bei der Vielzahl der Fälle immer Bescheid wissen, wie die Situation vor Ort ist? Doch etwas ist falsch gewesen. Das Ergebnis spricht für sich, ein Kind ist gestorben.
Markus Schreiber hat Aufklärung versprochen. Niemand wird geschont, aber auch niemand vorverurteilt. Auch Sozialsenator Wersich will den Bericht sehen. Carola Veit hat als Vorsitzende den zuständigen Ausschuss der Bürgerschaft einberufen.
Es scheint im Augenblick nur einen zu geben, der bereits genau weiß wer verantwortlich ist. Es ist einer, der über den Tod der kleinen Lara nicht innehält. Es ist einer, der selbst bei diesem Thema an nichts weiter denkt, als das sein Name dadurch in der Zeitung stehen wird. Der denkt, dass er damit Punkte gegen den politischen Gegner machen kann. Das ist der „jugenpolitische Sprecher“ der CDU Hamburg-Mitte.
Er hat eine Pressemitteilung verfasst, wie sie kaum schrecklicher sein kann. Lara, Morsal und der HipHop Jugendlicher. Alles wird in einer schrecklichen Suppe zusammengerührt und ausgekübelt. Er glaubt er weiß wer Schuld ist. Immer, und für alles. Er ist Ankläger und Richter in einem. Mich widert das an.
Zeitungen haben darüber berichtet. Der „Neue Ruf“ titelte:
Polemik am falschen Platz – Politische Profilierung bei einem toten Säugling.
Das Hamburger Abendblatt brachte einen Kommentar:
Im Bezirk Mitte zeichnet sich ein altes Verhaltensmuster ab: Einen Tag nach Laras Tod forderte die CDU-Bezirksfraktion die Abberufung der Leiterin der Jugend- und Familienhilfe, Pia Woltersen. Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter Mitte, verteidigt seine Amtsleiterin: “Ein politischer Schnellschuss ohne die genaue Prüfung aller Fakten ist armselig und der Situation nicht angemessen.” Mehr noch, Schreiber mahnt: “Der Fall der toten Lara eignet sich nicht für politische Auseinandersetzungen.”
Eine Mahnung, die sich in den kommenden Wochen hoffentlich alle Seiten zu Herzen nehmen werden.
Bei jeder Aufarbeitung, jeder politischen Diskussion und jeder eventuellen Schuldzuweisung sollte sich bei den Beteiligten ein Bild einbrennen: Wieder ist ein Kind tot. Lara war mangelernährt, dehydriert, untergewichtig. Lara war neun Monate alt.
Der jugendpolitische Sprecher der CDU kam also nicht gut weg. Vielleicht wird es Zeit für die CDU darüber nachzudenken, wer welche Aufgaben übernimmt. Wer fähig ist verantwortungsvolle Aufgaben zu erfüllen.
Was aber viel dringender ist: Wir müssen gemeinsam darüber nachdenken, wie wir in Zukunft Fälle wie die der kleinen Lara verhindern können. Wir müssen versuchen, das Netz noch enger zu spannen. Aber wir sollten uns im klaren sein: Wenn die Familien versagen, wird auch der Staat nicht alles reparieren können. Also hoffen wir, dass möglichst wenig Familien Hilfe brauchen. Tun wir was möglich ist, dass sie sie bekommen, wenn es nötig wird.
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13. März 2009
Tragischer Todesfall in Wilhelmsburg, Erneutes Gespräch mit dem Rauhen Haus
Im Zusammenhang mit dem Tod des kleinen Mädchens aus Wilhelmsburg hatte Bezirksamtsleiter Markus Schreiber bereits gestern deutlich gemacht, dass alles unternommen werde, was von unserer Seite aus möglich ist, um zur Aufklärung des tragischen Geschehens beizutragen. Aus diesem Grunde sollte es heute Nachmittag ein erstes Gespräch zwischen der zuständigen Betreuerin und den Vertretern des Bezirksamtes geben.
Im Vorfeld dieses Gesprächs sind zahlreiche Medienanfragen an das Bezirksamt herangetragen worden. Dazu teilt das Bezirksamt mit:
In dem ausführlichen und sehr engen Gespräch mit dem Rauhen Haus ist noch einmal bestätigt worden, dass die Betreuerin regelmäßig mindestens einmal die Woche in der Wohnung bei Lara gewesen ist.
Allerdings ist verabredet worden, dass das Bezirksamt zum konkreten Ablauf und Inhalt dieses Gesprächs mit Rücksicht auf die gegenüber der zuständigen Fachbehörde bestehenden Berichts- und Informationspflichten und die Information des bürgerschaftlichen Familienausschusses sowie des bezirklichen Jugendhilfeausschusses und auch im Hinblick auf die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen heute noch keine weitere Auskunft gibt.
Die Fraktionssprecher von CDU, SPD und GAL und der Vorsitzende des bezirklichen Jugendhilfeausschusses, Herr Johannes Kahrs, haben sich verständigt, den Jugendhilfeausschuss am
Montag, den 16. März 2009 um 17.00 Uhr,
im Sitzungssaal der Bezirksversammlung, Klosterwall 4,
zu einer Sondersitzung einzuberufen.
Einziger Tagesordnungspunkt wird der tragische Todesfall in Wilhelmsburg sein.
Dazu sind ebenfalls die Mitglieder des Ausschusses Soziales, Integration und Gesundheit eingeladen.
Für Rückfragen:
Bezirksamt Hamburg-Mitte, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. : 040 – 428 54 2877
E-Mail: Sorina.Weiland@hamburg-mitte.hamburg.de