Polizei - Quelle: Marco Broscheit (via Flickr - CC-Lizenz)Heute erschien im Hamburger Abendblatt eine Karte über die Anzahl von Gewaltkriminalität in den Stadtteilen. Dabei geht es um schwere und gefährliche Körperverletzung. Das sind Taten, bei denen das Opfer besonders schwer verletzt wird, oder die gemeinschaftlich oder mit Hilfe einer Waffe ausgeführt werden. Uter den Folgen dieser Taten leiden die Opfer naturgemäß besonders stark, was einen genaueren Blick rechtfertigt.

Sehr eigentümlich kam es mir aber vor, das die Karte im Abendblatt die Stadtteile nur nach der Anzahl der Verbrechen einfärbte, und dabei außer acht ließ, wie viele Einwohner dort jeweils wohnen. Was mich interessiert ist die Frage, wie hoch die Chance ist Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, wenn ich vor die Haustür gehe.

Ein übliches Maß ist die Zahl der Verbrechen pro 1.000 Bewohner. Aber auch diese Zahl hat schwächen, denn eigentlich muss man ja davon ausgehen, wie viele Menschen sich in dem jeweiligen Stadtteil aufhalten. In der Innenstadt wohnen viel weniger Menschen, als sich dort täglich auf den Straßen bewegen. Ähnliches gilt natürlich für St. Pauli und St. Georg, Stadtteile mit Vergnügungsvierteln, in denen sehr viele Menschen ausgehen.

Auf der anderen Seite gibt es die Hafen- und Industriestadtteile, wie Billbrook oder Steinwerder, in denen nur wenige Menschen gemeldet sind.

Ich habe mir einmal die Arbeit gemacht, die Zahlen aus dem Abendblatt mit den Einwohnerzahlen einiger Stadtteile aus unserem Bezirk zu verbinden. Das Ergebnis stellt sich ganz anders dar als im Abendblatt, und ist für die Veddel nicht beruhigend. Hier ist das Risiko Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden etwa sechs mal höher als in Hamm-Mitte oder Finkenwerder, und mehr als doppelt so hoch wie in Billstedt, Horn oder Wilhelmsburg.

Allerdings hat auch diese Methode Schwächen, denn wir wissen nichts über die unterschiedlichen Quartiere der großen Stadtteile. Die Lage in Kirchdorf-Süd oder dem Reiherstiegviertel kann ja erheblich von der in Georgswerder abweichen. So kann es sein, das die Veddel doch nicht das gefährlichste Pflaster auf den Elbinseln ist, aber tröstlich wäre diese Erkenntnis natürlich nicht.

Dennoch ergeben sich wichtige Anhaltspunkte zum Handeln!

Stadtteil Einwohner (2007) Gewaltverbrechen Straftat pro 1000 Einw.
Billstedt 68936 174 2,5
Borgfelde 6565 10 1,5
Finkenwerder 11626 12 1,0
Hamm-Mitte 10747 27 2,5
Hamm-Nord 21634 18 0,8
Hamm-Süd 3847 2 0,5
Horn 36890 96 2,6
Rothenburgsort 8660 31 3,6
Veddel 4944 32 6,5
Wilhelmsburg 49851 130 2,6
St. Georg 10586 274 25,9
St. Pauli 27706 750 27,1
Altstadt 2247 68 30,3
Neustadt 11706 58 5,0

Tabelle: Gewaltkriminalität in ausgewählten Stadtteilen

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Eine Antwort zu “Wie gefährlich ist die Elbinsel? Vom Sinn und Unsinn der Kriminalitätsstatistik”
  1. Nils sagt:

    Naja, aber es wird schon langsam besser.

    Die Behörden sind ja heute schon den Gefahren für die öffentliche Sicherheit entgegengetreten und wollen viele nicht mehr angemeldete Fahrzeuge abschleppen lassen…

    Polemik bei Seite.

    Die Zahlen sind wirklich besorgniserregend. Auch, wenn man sich vor Auge führt, dass wir 923 angezeigte Straftaten auf der Insel haben, bei knapp 5.000 Einwohnern.
    Auch die steigende Anzahl an Diebstählen lässt nichts gutes verheißen, genauso wie die steigende BtM Kriminalität.

    Aber es gibt auch Lichtblicke, die man nicht unter den Tisch kehren darf!

    Insbesondere die Abnahme der Raubdelikte ist ein gutes Zeichen für den Stadtteil.

    Vielleicht lenkt die IBA mit dem Planungsbüro und dem Haus der Projekte den Blick der Stadt nicht nur auf die Gebäude sondern auch auf die Menschen des Stadtteils.

  2.  
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