Mit dieser Frage beschäftigt sich der Regionalausschuss Wilhelmsburg-Veddel in seiner morgigen Sitzung um 18:00 Uhr im Rathaus Wilhelmsburg. Für die Sitzung wurden zwei Vertreter der igs eingeladen.
Besonders augenscheinlich wird das Problem derzeit am Bürgerhaus Wilhelmsburg. Für den dort geplanten See mussten dort sämtliche Bäume gefällt werden. Dafür ist in diesem Fall aber nicht die igs verantwortlich, sondern der “Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG)”. Das optische Ergebnis ist aber das gleiche: Das Bild der gerodeten Fläche schockiert.
Der Geschäftsführer der igs, Heiner Baumgarten warb in der Harburger Rundschau um Nachsicht für die Fällaktion: “Hier entsteht keine bloße Blümchenschau, sondern ein hochwertiger Park mit Schwimmbad und Sporthallen, neuen Wasserstraßen, beleuchteten Wegen, gehobener Gastronomie und Kiosken für den kleinen Hunger unterwegs.”
Der “Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg” hat dagegen am Sonntag eine Pressemitteilung zu dem Thema verschickt, die ich hier wiedergebe:
Wilhelmsburg: igs will 2235 weitere Bäume fällen
Braucht Wilhelmsburg eigentlich so viele Bäume?
Vor ein paar Jahren hatte Wilhelmsburg einen schlechten Ruf: Müllberg, geplante Müllverbrennungsanlage, große Verkehrstrassen; eben die Insel für den Rest, für alles, was andere Stadtteile nicht haben wollten.
Aber: Es war grün hier und Besucher waren überrascht von den wunderschönen Ecken.
Z. B. der Park an der Mengestraße: ein alter Friedhof mit einer kleinen lauschigen Kapelle und großem altem Baumbestand.
Diese grünen Besonderheiten sollten für die Allgemeinheit erlebbar werden. Eine Internationale Gartenschau wurde geplant. Später noch eine Internationale Bauausstellung als Zugabe.
Was ist im Zwischenpräsentationsjahr 2010 aus IBA und igs geworden? Am auffälligsten ist derzeit der Kahlschlag im Park an der Mengestraße. Jetzt gibt es einen „freien Blick“ von der Reichsstraßen-Auffahrt auf die Georg-Wilhelm-Straße.
Heiner Baumgarten, Geschäftsführer der igs, am 27.8.2008: „Der schöne, alte Baumbestand ist ein ganz großes Plus für die igs…“ und „Die Erlen prägen das Bild entlang der Wettern und Gräben, von denen zahlreiche das Gelände durchziehen.“
Ursprünglich war auch nur von 90 Bäumen die Rede…. Am 20.11. 2008. hieß es dann: „Von den mehr als 4500 Bäumen auf dem Gartenschaugelände müssen 484 gefällt werden.“ Jetzt wurde die Fällung von weiteren 2235 Bäumen beantragt.
Dazu Marianne Groß vom Einwohnerverein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg: „Ist dieser Kahlschlag wirklich nötig? Wir haben den Eindruck, dass hier Landschaft neu erfunden werden soll, statt mit dem Bestand zu planen.“
1983 wurde auf der Elbinsel ein durchgehender Grünzug von der Veddel bis nach Harburg geschaffen. 90 Millionen D-Mark waren frei geworden weil Hamburg damals nicht den Zuschlag für eine Internationale Gartenausstellung erhalten hatte. Auch die sog. „IGABrücke“,
eine Brücke für Fußgänger über die Reichsstraße, stammt aus jener Zeit. Die Kanäle und Wettern wurden entschlammt, Uferbepflanzung wurde vorgenommen.
Heutzutage gilt offenbar die Randbepflanzung als Übel und muss beseitigt werden, damit keine Blätter ins Wasser fallen. So lassen sich personalintensive Pflegemaßnahmen einsparen. Ist das der Kerngedanke eines modernen „Volksparks des 21. Jahrhunderts?“ Mit dem Naturschutzgedanken ist es jedenfalls kaum vereinbar.
Bei allen notwendigen Veränderungen: Das Markenzeichen „Grüne Insel im Fluss“ muss die Elbinsel behalten. Nur so bleiben ihr die Einheimischen treu. Und nur so werden sich Besucher und Neu-Wilhelmsburger auf Dauer hier wohlfühlen.
Marianne Groß: „Eine Internationale Gartenschau, deren Markenzeichen
„Kahlschlag“ ist, darf es nicht geben.“
Die Bezirksversammlung hat die igs im letzten Jahr aufgefordert ein Ausgleichskonzept vorzulegen. Inzwischen ist klargestellt, das für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt werden muss. Nach Angaben des Wilhelmsburger BUND-Vorsitzenden Harald Köpcke reicht das aber “als Ausgleich bei weitem nicht aus.” Kurios dabei: Heiner Baumgarten ist nicht nur Geschäftsführer der igs GmbH, sondern auch Vorsitzender des BUND Niedersachsen.
Die igs steht mit ihren Maßnahmen auch zeitlich unter Druck: Bis zum 15. März müssen die Baumfällungen abgeschlossen sein. Denn dann beginnt die Brutzeit der Vögel. Baumfällungen sind dann nur noch in ganz besonderen Ausnahmefällen zugelassen.
Weiterlesen: Hamburger Morgenpost “Kahlschlag für die Gartenschau”
Nachtrag:Die Präsentation der igs über die Baumfällungen aus dem inzwischen stattgefundenen Regionalausschuss als PDF gibt es hier: Präsentation der igs über geplante Baumfällungen in Wilhelmsburg]


Internationale Gartenschau: Geordnete Abläufe und mehr Ausgleich bitter nötig
BUND Hamburg fordert IGS, Bezirksamt Hamburg-Mitte und den Oberbaudirektor auf, Defizite abzustellen
Kurz vor der Umsetzung der ersten Fällgenehmigungen für rund 2.000 Bäume fordert der BUND Hamburg die IGS GmbH, das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte und auch den Oberbaudirektor Jörn Walter auf, die erkennbar chaotischen Entscheidungsabläufe im Rahmen der IGS-Planung abzustellen und für mehr Transparenz zu sorgen. Weiterhin kritisiert der BUND, dass Eingriffe auf der 120 Hektar großen IGS-Fläche nicht auf das absolut notwendige Maß reduziert und z. T. zu niedrig bilanziert werden.
Der bislang erkennbare Ausgleich weist weiterhin deutliche Mängel auf.
„Viele Köche verderben den Brei – dies scheint auch auf die IGS zuzutreffen. Die verqueren Entscheidungsabläufe zwischen dem Bezirk, der IGS und dem Oberbaudirektor und eine undurchsichtige Genehmigungslage sorgen seit Wochen für Verwirrungen“, so Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg.
Jede internationale Gartenschau ist zweifelsohne mit Eingriffen und Veränderungen verbunden. Diese müssen aber der Öffentlichkeit verständlich dargestellt, rechtlich abgesichert und vor allem korrekt ausgeglichen werden. Dies ist aus Sicht des BUND Hamburg nicht der Fall.
So hat die IGS beispielsweise im Januar 2010 erklärt, dass für jeden gefällten Baum ein neuer Baum in Wilhelmsburg gepflanzt werden soll.
Dies reicht bei weitem nicht aus. Fachlich wäre durchaus ein Ausgleich von 1:3 sinnvoll und eine deutlich stärkere Berücksichtigung des flächenhaften Eingriffs.
Der BUND Hamburg fordert, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren und das seit mehr als einem Jahr zugesagte Naturschutz- und Ausgleichskonzept für die IGS vorzulegen. Ohne dieses Konzept dürfe die größte im Rahmen der IGS bislang geplante Fällaktion auf keinen Fall beginnen.