Die igs hält die Baumfällungen auf dem Gartenschaugelände für erforderlich

Für den schiffbaren Kanal zum Rathaus wurde eine Schneise durch den Baumbestand geschlagen

Für den schiffbaren Kanal zum Rathaus wurde eine Schneise durch den Baumbestand geschlagen

Nachdem die Internationale Gartenschau (igs) wegen der Pläne zahlreiche Bäume zu fällen unter heftige Kritik geraten ist, geht sie jetzt mit ihrer eigenen Darstellung an die  Öffentlichkeit. Anlässlich einer Pressekonferenz im Bürgerhaus veröffentlichte sie zu den Arbeiten eine Erklätung, die ich hier wiedergebe. Dabei kann kaum überraschen, das die igs die Baumfällungen für die nun beginnenden, großflächigen Arbeiten auf dem Gartenschaugelände für erforderlich hält:

Der Umbau des Wasserwerks zu einem attraktiven Gartenlokal mit Terrassen zu den Rathauswettern, der Bau einer der modernsten Kletterhallen Norddeutschlands oder der Ausbau eines Kanukanals im Parkgelände sind nur einige der Bausteine für den Park der Zukunft, der in Wilhelmsburg entstehen soll. Um diese Projekte umzusetzen, hat die internationale gartenschau hamburg (igs 2013) beim Bezirksamt Hamburg-Mitte die dafür erforderliche Fällung von Bäumen auf dem Gartenschaugelände für die jetzige Fällsaison beantragt. Dies hat in der Öffentlichkeit Irritationen ausgelöst. Hierzu Heiner Baumgarten, Geschäftsführer der igs 2013:

„Wir legen viel Wert darauf, die Planungen zur Gartenschau optimal an den bestehenden Baumbestand anzupassen. Die Entwürfe wurden mehrfach geändert, um Bäume erhalten zu können. So haben wir die geplante Wegeführung entlang der Gewässer Kükenbrack und Mahlbusen verändert, um den Baumbestand zu schützen und die Störungen an den Gewässerrändern möglichst gering zu halten. Dennoch werden für die Parkgestaltung, insbesondere für die späteren Spiel-, Sport- und Freizeitnutzungen eines modernen Parks, freie Flächen benötigt, um unser Ziel zu erreichen: einen Park für alle Kulturen und Generationen mit Vorbildcharakter für andere große Metropolen“.

Insgesamt stehen auf dem rund 100 Hektar großen Gartenschaugelände hochgerechnet 20.000 Bäume, die sich aus den rund 6.000 erfassten Einzelbäumen mit einem Stammdurchmesser größer als 25 Zentimeter, kleineren Bäumen und den waldartigen Beständen zusammensetzen. Die Landschaftsbauarbeiten werden 2010 auf dem gesamten Gartenschaugelände große Fortschritte machen. Es werden unter anderem Leitungen verlegt, Wege gebaut, Gewässer entschlammt und mit dem Bau der Kletterhalle begonnen. Beispielsweise für den Bau des neuen Schwimmbads und der Kletterhalle, für den Wegebau oder die Grabenunterhaltung müssen Bäume weichen.

Die igs 2013 gmbh hat auf Bitte der Bezirkspolitik und des Bezirksamtes eine Auflistung der durch alle im Bereiche des Parks und seines Umfeldes zu fällenden Bäume erstellt. Die Gesamtsumme beträgt 2.235 Bäume. Die Zusammenstellung hat Folgendes ergeben:

Hochbauten:

  • Schwimmhalle
  • Kletterhalle
  • Sporthallenkomplex
  • IBA-Neubauten auf dem Gartenschaugelände

Mit der Kletterhalle, dem Schwimmbad und dem Hallenkomplex entsteht ein vielfältiges, attraktives Freizeitangebot. Klettern drinnen und draußen zu sozialverträglichen Preisen sowie Angebote und Kooperationen mit Vereinen und Schulen sind genauso attraktiv wie beispielsweise ein im Hallenkomplex vorgesehener Bewegungskindergarten, Breitensportangebote und Einrichtungen für die Gesundheitsvorsorge.

Gesamt: 294 Bäume

Landschaftsbau:
Wegebau, Leitungsverlegung, Flächenvorbereitung etc.

Die anstehenden Maßnahmen sind Grundlage für vielfältige Spiel- und Sportangebote für alle Altersgruppen wie Skaten, Joggen, Radfahren und Boule. Neue, gut ausgebaute und beleuchtete Wegeverbindungen bieten den Parkbesuchern auch in der dunkleren Jahreszeit künftig mehr Sicherheit.

Gesamt: 586 Bäume

Grabenausbau, Brückenbau:
Ausbau der Gräben zur Verbindung des geplanten Kanukanals, für interessante Freizeit- und Paddelangebote mit Anlegestellen und Gastronomie.

Gesamt: 382 Bäume

Grabenunterhaltung:
Durch Pflegemängel ist eine Unterhaltung der Gräben nicht mehr möglich. Als Folge ist eine funktionierende Entwässerung – auch im Bereich der Kleingärten – nicht mehr gegeben. Diese soll wieder hergestellt werden.

Gesamt: 294 Bäume

Kampfmittelräumung:
Diese Bäume müssen nur gefällt werden, wenn sich ein Verdacht auf Bomben oder Blindgänger aus dem II. Weltkrieg erhärtet.

Nur im Bedarfsfall, maximal 465 Bäume

Straßenbau und Lärmschutz:

Gesamt: 214 Bäume

Insgesamt: 2.235 Bäume

Von den 2.235 Bäumen sind über 140 Bäume krank und müssen gefällt werden, weil von ihnen eine Gefährdung für die Parkbesucher ausgehen würde.

Stand des Genehmigungsverfahrens

  • Im Zuge seiner schrittweise erfolgenden Baumfällgenehmigungen hat das Bezirksamt Mitte nach intensiver Abstimmung zwischen der igs 2013 und den Naturschutzdienststellen zum derzeitigen Stand 553 Bäume für die verschiedenen Bau- und Pflegemaßnahmen zur Fällung freigegeben.
  • Für weitere 230 Bäume, die für die wasserbaulichen Maßnahmen „Wilhelmsburg Mitte“ gefällt werden müssen, wird die wasserrechtliche Genehmigung in Kürze erteilt.
  • Die 294 Fällgenehmigungen für die Hochbaumaßnahmen werden erteilt, sobald die Bauanträge vorliegen, voraussichtlich im Herbst 2010. Insgesamt erhöht sich damit die Zahl der genehmigten bzw. bis Herbst 2010 zu genehmigenden Bäume auf 1.077 Bäume.
  • Da die Genehmigungen für die 465 Bäume ausgesetzt wurde, die nur im Bedarfsfall für den Kampfmittelräumdienst gefällt werden sollen, reduziert sich die Zahl der von der igs 2013 beantragten 2.235 Bäume auf 1.770.

Demnach wurden mit Stand 17. Februar 2010 über zwei Drittel der von der igs 2013 beantragten Baumfällungen genehmigt. Weitere Genehmigungen stehen noch an, werden aber zum Teil erst in der Fällsaison 2010/2011 verwirklicht.

Die im Genehmigungsbescheid festgesetzten Ersatzpflanzungen werden wie folgt umgesetzt:

  • Auf dem Gartenschaugelände werden rund 550 Einzelbäume, auch zur Verdichtung von Baumgruppen, gepflanzt. Hinzu kommen flächenhafte Nachpflanzungen auf 1.300 Quadratmetern und 3.470 Meter Hecken auf dem igs 2013-Gelände.
  • Außerhalb des Geländes werden auf 22.880 Quadratmetern Gehölzanpflanzungen im Wilhelmsburger Osten sowie Einzelbaumpflanzungen beispielsweise entlang der von der igs 2013 entwickelten Reiherstiegachse stattfinden.

„Es werden auch künftig schöne, alte Bäume das Bild auf dem Gartenschaugelände prägen. Darüber hinaus erwartet die Besucher ein tolles Freizeitangebot“

sagt Heiner Baumgarten. Die igs 2013 ist bei allen Planungen darauf bedacht, möglichst wenig in den Baumbestand einzugreifen. Wenn jedoch Fällungen erforderlich sind, stehen Maßnahmen und Projekte dahinter, die langfristig ein attraktives Freizeitangebot in dem neuen Park sicherstellen. Dazu gehört der Bau der Kletterhalle, deren Betreiber auch mit den Wilhelmsburger Schulen kooperieren möchte, genauso wie eine moderne Skater-Anlage oder ein Kanukanal, der zum Paddeln einlädt.

Neben der Umgestaltung eines Teils des Gesamtareals wird die igs 2013 etwa auch die Pflege und Unterhaltung des Bestandes, wie etwa die Entschlammung der Teiche und Gräben oder die Zusammenführung der Kanäle und Wettern zu einem geschlossenen Gewässersystem durchführen und weitgehend unberührt in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Dabei handelt es sich unter anderem um Lebensräume für Pflanzen und Tiere, die die igs 2013 bereits 2007 gutachterlich feststellen ließ und ihre Planungen entsprechend darauf abstimmte.

„So wird von den Planungen der igs 2013 auch der Naturschutz profitieren“

, so Heiner Baumgarten.

Soweit zur Erklärung der Gartenschau. Es bleibt positiv festzuhalten, das die Zahl der zu fällenden Bäume durch eine schonendere Untersuchung durch den Kampfmittelräumdienst reduziert.

Die igs soll mit Geldern des Senates und Eintrittsgeldern von Besuchern in Wilhelmsburg einen Park gestalten, der noch Generationen viel Freude bereitet. Wer die Gartenschau bejaht wird sich darüber im Klaren sein müssen, das ein Preis in Form von Umgestaltung und Fällungen zu bezahlen ist. Nur wer die igs und die IBA insgesamt ablehnt, kann die Maßnahmen im Ganzen kritisieren.

Die SPD bejaht die Gartenschau. Sie ist eine große Chance für die Menschen auf den Elbinseln in Zukunft in einem noch schöneren Stadtteil zu wohnen. Jetzt gilt es darüber nachzudenken, wie viel Fällungen dafür unbedingt notwendig sind. Dabei muss man um jeden Baum kämpfen, der vernünftigerweise erhalten werden kann. Ob das Ende der Fahnenstange dabei bereits erreicht ist, lässt sich noch nicht endgültig sagen. Andererseits muss man auch möglichst viele Ausgleichsmaßnahmen bestehen, die übrigens nicht für die Freizeitgestaltung von Menschen, sondern als Ersatz für verlorene Lebensräume der Pflanzen- und Tierwelt dienen sollen. Reine Polemik ist dagegen eine Position die da sagt, der Bezirk oder die Stadt sei an möglichst vielen Baumfällungen gelegen, und die Kosten der Pflege einzusparen.

Es ist eine einfache Position zu sagen, nicht ein einziger Baum dürfe fallen. Und vielleicht ist es populärer als eine weniger radikale, abwägende Position. Bereits in den 60er Jahren haben die Schlagerproduzenten erkannt, mit wie vielen Emotionen das Thema Baumfällung behaftet ist. Aber am Ende haben doch gerade die Hamburger im letzten Jahrzehnt die Erfahrung gemacht, das die einfachen Antworten in der Politik meistens nicht die besten sind.

Am Ende der jetzt beginnenden Bauphase der IBA und igs werden glanzvolle Eröffnungen liegen. Nicht alles wird ohne Makel sein, aber nach der Gartenschau werden sich viele Menschen dauerhaft an den Anlagen erfreuen. Ich glaube auch viele Mitglieder der heutigen Fundamentalopposition werden dann dabei sein wollen.

Der Kampf um die Bäume in Hamburg-Mitte geht übrigens immer weiter. Er wird bereits seit Jahren ständig im Ausschuss für Verkehr und Umwelt geführt. Wer sich dafür interessiert kann die Tagesordnung und die Baumfällisten auf öffentlichen Grund jeden Monat unter www.hamburg.de/fachausschuesse/ abrufen.

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2 Kommentare.

  1. Rot-Grün erreicht durch Druck auf igs eine Verpflichtungserklärung:

    Weniger Baumfällungen – Ausgleichspflanzungen kommen ein Jahr früher

    Seit Monaten fordert die Rot-Grüne Koalition in Mitte von der Internationalen Gartenschau in Hamburg (igs) die Vorlage ein Ausgleichskonzept für die Baumfällungen in Wilhelmsburg.

    Der Rot-Grünen Bezirkskoalition reicht es nicht, nur eine Anzahl der zu pflanzenden Bäume zu erhalten. Stattdessen wird ein Gesamtkonzept gefordert, indem eine Gegenüberstellung des Verlustes von Biotopen und anderen Naturpotentialen zu den geplanten Aufwertungen im Wilhelmsburger Osten stattfindet.

    Nun hat der beständige Druck der Rot-Grünen Koalition in Mitte gewirkt. Die igs hat eine Verpflichtungserklärung abgegeben. Darin legt sie sich jetzt fest, bis zum 14. Mai Baumfällungen, Aufwertungs- und wasserbauliche Maßnahmen sowie Maßnahmen die Biotope betreffen transparent zu machen. Außerdem sollen alle Fällungen noch einmal auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden. Dadurch wird die Zahl der zu fällenden Bäume reduziert.

    Die igs hat in den Verhandlungen berichtet, dass mehr Baumfällungen beantragt worden sind, als tatsächlich gefällt werden sollen. „Uns ging es darum, so viele Bäume wie möglich zu verschonen. Die igs hat zugesagt, dass möglichst wenig Bäume gefällt werden. Da nehmen wir sie beim Wort!“, berichtet der SPD-Fraktionsvorsitzende Hansjörg Schmidt aus den Verhandlungen.

    Weiterhin soll ein Pflanzschema für die Ersatzfläche dargestellt werden, die geforderte Gegenüberstellung der Fällungen und den geplanten Aufwertungen von Flächen wird geliefert und konkrete Angaben zu Aufwertungsflächen werden gemacht. Vor allem aber wird bereits in diesem Jahr und nicht wie geplant in 2011 mit den Ausgleichspflanzungen begonnen.

    „Diese einseitige Erklärung legt die Eckpunkte des Ausgleichs und der weiteren Vorgehensweise fest. Das von uns schon so lange geforderte Ausgleichskonzept wird so verfeinert und kann eine Qualität erreichen, die für eine Gartenschau neue Standards setzt“, meint der GAL Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Osterburg.

    SPD und GAL haben der IGS abgerungen, dass die ersten Ausgleichspflanzungen bereits 2010 stattfinden. Ein Jahr früher, als ursprünglich geplant. SPD Fraktionsvorsitzender Hansjörg Schmidt dazu: „Wir haben von der igs verlangt, den Zeitplan für die Ausgleichspflanzungen vorzuziehen. Nun hat sich die igs verpflichtet, bereits in diesem Jahr mit ersten Pflanzungen zu beginnen.“

    Kritik äußern die Koalitionäre an der Kommunikation der IGS: „Wir haben immer mehr Transparenz und einen strafferen Zeitplan bei den Ersatzpflanzungen. Hätte die IGS schon früher auf uns gehört, dann hätte es bedeutend weniger Aufruhr gegeben.“ Mit der Verpflichtungserklärung schwenkt die IGS nun auf die Linie von SPD und GAL ein.

  2. Hansjörg Schmidt - trackback on 18. Februar 2010 um 16:37

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