Zukunft Elbinsel zur Hafenquerspange: Veraltete Glaubenssätze statt neuer Glaubwürdigkeit

Impression einer Hochbrücke über die Süderelbe bei Moorburg (Illustration: DEGES)

Impression einer Hochbrücke über die Süderelbe bei Moorburg (Illustration: DEGES)

Der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg hat heute auf einer seiner Webseiten eine Presseerklärung veröffentlicht, die sich mit der Senatsentscheidung zur sogenannten Hafenquerspange, eine Autobahn quer durch den Süden der Elbinseln befasst. In der Presseerklärung werfen Sie dem schwarz-grünen Senat ein Festhalten an veralteten Glaubenssätzen der Verkehrspolitik vor. Der grünen Senatorin Anja Hajduk halten sie ein Zitat aus dem Wahlkampf vor, das der jetzigen Entwicklung widerspricht. Damals sagte die Senatorin, die jetzt die Autobahnpläne massiv vorantreibt:
Die Hafenquerspange ist … “viel zu teuer und wäre eine Katastrophe für Wilhelmsburg”

An dieser Stelle dokumentiere ich die ganze Pressemitteilung des Vereines:

Hafenquerspange – Senatsentscheidung Südtrasse: Veraltete Glaubenssätze statt neuer Glaubwürdigkeit

Seit über 30 Jahren planen Hamburger Senate in jedweder Konstellation die sog. „Hafenquerspange“. Alle sind daran gescheitert, am Widerstand aus Wilhelmsburg und am fehlenden Geld aus Bonn oder Berlin. Mit der aktuellen Entscheidung für eine „Südtrasse“ weicht auch Schwarz-Grün vor der Autobahnlobby zurück.

Dabei sind die alten Glaubenssätze verkehrswissenschaftlich und gutachterlich längst widerlegt: Eine Autobahn – als Transitstrecke quer über die Elbinsel Wilhelmsburg – hat keinerlei Entlastungswirkung nördlich der Elbe (Stresemannstraße, Willy Brandtstraße etc) und löst keine Verkehrsprobleme im Hafen.

Den angeblich „fehlenden Lückenschluss zwischen A1 und A7“ gibt es nicht: im Süden gibt es bereits die Verbindung in Maschen und im Norden von Hamburg ist sie in Höhe Kaltenkirchen als A20 im Bau. Auch die Verkehrsprognosen rechtfertigen nicht den Bau einer neuen Stadtautobahn.

  • Die Senatsentscheidung beschädigt Hamburgs Glaubwürdigkeit als Europäische Umwelthauptstadt

Mit dem Bau des Kraftwerkes Moorburg und der geplanten Elbvertiefung steht „European Green Capital 2011“ schon jetzt auf tönernen Füßen. Die angestrebten Ziele zur Reduktion von CO2, Feinstaub und Lärm durch Verkehrsreduktion und Innovationen sind im Falle einer zusätzlichen Stadtautobahn nicht realisierbar: Die Belastung der Innenstadt durch das prognostizierte vermehrte Verkehrsaufkommen steigt und der
schon jetzt tägliche Morgenstau vor den Elbbrücken nimmt zu.

  • Die Senatsentscheidung zerstört die Glaubwürdigkeit vom „Sprung über die Elbe“

Der Sprung über die Elbe sollte die Zweiteilung der Stadt überwinden. Nördlich der Elbe ist eine neue Stadtautobahn seit den 70iger Jahren undenkbar. Im Gegenteil: Barrierewirkung und Lärm durch die A7 sollen millionenschwer gedeckelt werden. In Wilhelmsburg gibt es für die A1 nicht einmal konventionellen Lärmschutz. Südlich der Elbe sollen nun neue Autobahnprojekte mitten durch große Wohngebiete geführt
werden. Damit ist der „Sprung über die Elbe“ beendet.

  • Eine geplante Autobahn ist das größte vorstellbare Investitionshindernis

Im Spreehafen und im Norden Wilhelmsburgs wurde über Jahrzehnte jegliche Stadtentwicklung durch eine drohende Hafenquerspange blockiert. Dasselbe passiert jetzt in einem breiten Korridor im Süden der Elbinsel. Nicht erst der Bau, sondern die jahrelange Planungsunsicherheit ist das effektivste Hindernis für Investitionen in Wohnungsbau, verträgliches Gewerbe, Sportstätten und Erholungsräume.

  • Die Senatsentscheidung ist eine Ohrfeige für die Bemühungen der IBA Hamburg

„ Es ist verkehrsplanerisch anerkannte Praxis, überregionalen Autobahnverkehr nicht durch Stadtgebiete, sondern um diese herum zu führen … erst recht nicht in einem so vorbelasteten Gebiet wie Wilhelmsburg“.
So hat die IBA Hamburg im August 2009 deutlich vor dieser anachronistischen Planung gewarnt. Die Senatsentscheidung zerstört die Zukunftshoffnungen vieler Menschen im Süden

Für Moorburg wäre die Südtrasse der Todesstoß, in Wilhelmsburg sind mehrere zehntausend Menschen sowie ihre Natur- und Erholungsräume an der Süderelbe unmittelbar betroffen. Die Behauptung, von der Südtrasse seien die AnwohnerInnen weniger belastet, zeugt von erschreckender Realitätsferne.

Ist das die Wertschätzung, die dieser Senat seiner „Insel im Fluss“ und ihren Menschen entgegenbringt? Schade – wo Argumente versagen bleibt mal wieder nur der Protest.

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1 Kommentare.

  1. stadtnachrichten montag 1 märz « from town to town - pingback on 1. März 2010 um 10:55

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