Kinderarmut in Hamburg: Die Veddel wieder knallrot
Geschrieben von Klaus in Bezirksversammlung, Hamburg, Jugend, Veddel, Wilhelmsburg
Nein, in Sachen Kinderarmut ist die Veddel nicht “Spitze”. Diesen Titel trägt der Stadtteil Dulsberg. Aber die Silbermedallie in diesen Rennen zu tragen, ist schlimm genug. Die “Bild” veröffentlichte letzte Woche eine Grafik, in der die Veddel wieder einmal in knallroter Farbe abgedruckt war.
In Dulsberg leben nach den Zahlen von 2008 54,4% der Kinder von staatlicher Unterstützung, die Veddel folgt mit einem Anteil von 52,6%. In Billstedt liegt der Wert mit 51,1% kaum geringer, und Wilhelmsburg folgt mit 49,7%. Insgesamt waren in Hamburg 26% aller Kinder von staatlichen Leistungen abhängig.
Erstmalig wurden in der Statistik alle staatlichen Hilfeleistungen zusammengefasst. Die Hilfequote bei Kindern ist in Hamburg doppelt so hoch, wie die der Erwachsenen. Das Kinder ein Armutsrisiko darstellen, wird schon lange diskutiert. Die Lage auf der Veddel kann aber kaum überraschen, befinden wir uns doch in dem ärmsten Stadtteil Hamburgs.
Für die Bezirkspolitik stellt sich die Frage, mit welchen Maßnahmen man die Situation der Kinder abfedern kann, und zwar vor dem Hintergrund das gerade Hamburg-Mitte in besonderer Weise von dem Problem betroffen ist. Hier brennt es sozusagen an jeder Ecke. Im Rahmen der Möglichkeiten wird auf der Veddel einiges getan.
So finanziert das Bezirksamt das Spielhaus Katenweide, das neben den Kindertagesstätten der Vereinigung und der Evangelischen Kirche ein zusätzliches Betreuungsangebot für Kinder bietet. Das Spielhaus kann dabei keine Kita ersetzen, aber das Angebot ist für die Eltern kostenfrei.
Das Bezirksamt hat sich außerdem an den Investitionskosten für die Stadtteilkantine in der Schule Slomanstieg erheblich beteiligt. Hier können nicht nur Schulkinder ein günstiges und gutes Mittagessen bekommen.
Die Stadtteilbücherei mit ihren Programm für Kinder und Eltern wird von Veddel Aktiv betrieben. Ohne die finanzielle Beteiligung des Bezirkes wäre dieses Angebot nicht möglich.
Für die etwas älteren Kinder werden weitere Angebote bereitgehalten, die aus Mitteln des Bezirkes finanziert oder unterstützt werden, etwa das Haus der Jugend oder die Mädchenarbeit der BI.
Eine neue Initative der Bezirksversammlung für ganz Hamburg-Mitte ist das Babybegrüßungsprogramm. Alle frischgebackenen Eltern werden von einer freundlichen Hausbesuchsschwester der Mütterberatung aufgesucht. Selbstverständlich wird der Besuch mit einer Karte angekündigt. Ziel ist es, das die Eltern die Angebote und Beratungsstellen für junge Eltern kennen und im Bedarfsfall vertrauensvoll nutzen.
Neben dieser unvollständigen Aufzählung darf ein großer Erfolg der SPD in der Schulpolitik nicht verschwiegen werden, den nicht der Bezirk, sondern die Bürgerschaftsfraktion soeben durchgesetzt hat: Es ist gelungen den Senat in den Kompromissverhandlungen zur Schulreform zwei wichtige Zugeständnisse abzuringen. Es wird einen Rechtsanspruch auf kleine Klassen geben, und das von der CDU eingeführte Büchergeld wird endlich wieder eingestampft.
Derzeit wird geprüft, ob die Veddel, die sich in der “Verstetigungsphase”, sozusagen der Nachversorgung nach dem Ende des Programms der Sozialen Stadtteilentwicklung vom Senat noch einmal in das neue Rahmenprogramm der integrierten Stadtteilentwicklung (RISE) aufgenommen wird. Mit den Geldern aus diesem Programm wären noch einige dringend notwendige Verbesserungen im Stadtteil möglich. Meiner Ansicht nach hätten die zuständigen Senatoren einiges zu erklären, wenn sie Hamburgs ärmsten Stadtteil in dieses Programm verweigern würden.
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