Einstimmig hatten wir unverzüglichen einen behindertengerechten Ausbau sowohl der Süd- als auch der Nordseite des S-Bahnhofes Veddel gefordert. Während für den Südausgang am Busbahnhof eine Lösung in Sicht ist, fällt die Antwort der BSU für den Stadtteil Veddel niederschmetternd aus:
In Abstimmung mit dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) sowie auf der Grundlage einer Stellungnahme der Deutsche Bahn AG nimmt die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) zu dem Beschluss wie folgt Stellung:
Der behindertenfreundliche Ausbau von Schnellbahnhaltestellen erfolgt auf der Grundlage eines vom HVV mit den Behindertenverbänden abgestimmten Prioritätenprogramms. Hierbei dient der Ausbau der Stationen insbesondere der barrierefreien Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste. Dementsprechend werden vorrangig Schnellbahnhaltestellen mit Umsteigefunktion im ÖPNV-Netz ausgewählt.
Der HVV hat im Zusammenhang mit den Diskussionen über die Entwicklung des Fahrgastaufkommens im Zusammenhang mit der Eröffnung des Museums BallinStadt und der Wegeführung für die Besucherinnen und Besucher Zählungen an den beiden Ausgängen vorgenommen. Hierdurch wurde festgestellt, dass der südliche Zugang in Verbindung mit der Bushaltestelle deutlich stärker frequentiert wird als der Nordzugang. Der HVV hatte daher in Übereinstimmung mit den Behindertenverbänden empfohlen, einen Aufzug am südlichen Bahnsteigende einzurichten. Dieser Empfehlung hat sich die BSU angeschlossen. Grund für diese Entscheidung war, dass ein Aufzug im Nordbereich für mobilitätseingeschränkte Personen den Nachteil hätte, dass bei dem Übergang von der S-Bahn zum Bus bzw. umgekehrt erheblich weitere Wege über die Wilhelmsburger Brücke zurückgelegt werden müssten als im Fall eines Fahrstuhleinbaus im Süden.
Hinsichtlich des Gleichheitsgrundsatzes und dem Ziel, eine flächendeckende Reisemöglichkeit für mobilitätseingeschränkte Menschen herzustellen, soll bis auf Weiteres nur ein behindertengerechter Zugang pro Bahnsteig geschaffen werden. Der Einbau eines zweiten Aufzugs auch im Nordbereich ist daher auch angesichts der begrenzten Mittel nicht vertretbar. Planungen für einen nachträglichen Ausbau eines behindertengerechten Bahnsteigzuganges an anderen Haltestellen, die bislang über keinen barrierefreien Bahnsteigzugang verfügen müssten zurückgestellt werden.
Der Baubeginn des Fahrstuhls am Südzugang ist für das 2. Quartal 2010 vorgesehen, die Fertigstellung ist für Ende dieses Jahres geplant.
Zugegeben, es ist gezählt worden, und der Ausgang am Busbahnhof wird von doppelt so vielen Fahrgästen benutzt wie der Nordausgang. Trotzdem hätte die Behörde gleich Nägel mit Köpfen machen können. Wenn der Bahnhof umgebaut wird, hätte man gleich beide Ausgänge modernisieren müssen. Im Stadtteilausgang ist Platz für eine kostengünstige Lösung. Das Treppenhaus am Südausgang ist wegen der dort vorhandenen Rolltreppe sehr eng, und die Gleise geben die Breite des Aufganges vor. Mehr als eine enge Kiste wird der Aufzug kaum sein können. Wenn der Nordausgang jetzt nicht angefasst wird, können wir das Thema für lange Zeit vergessen.
Bemerkenswert ist übrigens die Begründung für die Zählung der Passagiere. Die wechselt nämlich jedes mal, wenn man mit der BSU kommuniziert. In dieser Antwort wird die BallinStadt als Begründung für die Zählung angeführt. Das Fahrgastaufkommen wird aber vor allem durch den Busbahnhof bewirkt. Der Weg zur BallinStadt wäre viel attraktiver, leichter zu finden und vom Ausgang des Bahnhofes bis zum Eingang des Museums gemessen sogar kürzer, wenn man ihn endlich über den Nordausgang des Bahnhofes führen würde. So hatten es die Landschaftsplaner vorgesehen, und für die Realisierung dieses Konzeptes wurde viel Geld in den Ballinpark investiert das jetzt als verschwendet betrachtet werden darf.
Worum wir uns jetzt intensiv kümmern sollten, ist konkrete Verbesserungen der Situation auf dem Bahnsteig zu erreichen. Der ist nämlich nicht nur uneben, so das sich im Winter durch gefrorene Pfützen am Bahnsteigrand spiegelglatte Eisflächen bilden, sondern auch viel zu sehr dem Wind ausgesetzt. Gerade in die Mitte der Station gehört ein vernünftiger, wirksamer Windschutz, und außerdem sollte es unbedingt mehr Sitzgelegenheiten geben. Vor allem in dem Bereich, in dem die S-Bahnen halten. Da haben wir die Chance jetzt konkrete Fortschritte zu erreichen.
Aber so lange die BSU keine neue Senatorin hat, wird man auf der Veddel weiterhin Kinderwagen die Bahnhofstreppe hinauf und hinab schleppen müssen.

