Installiert wurde es von dem Journalisten und, so sagt es die igs, Kurator Dierk Jensen und seinem Team. Dies wird nicht die einzige umgewandelte Verkehrsinsel bleiben, bis 2013 sollen zwölf weitere Orte im Hamburger Raum bearbeitet werden.
Der Kunstbegriff hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. In meiner Jugendzeit war der “Der Mann mit dem Goldhelm” ein populäres Kunstwerk von Rembrandt, dem niederländischen Maler. Eine Reproduktion dieses Bildes hing in jedem Kaufhaus, weil diese scheinbar so oft verkauft worden sind, das sie in jedem zweiten deutschen Wohnzimmer zu finden gewesen sein müssen.
Damals definierte man Kunst noch so: “Kunst kommt von Können. Wenn es von Wollen käme hieße es ja Wunst”. Später kam allerdings heraus, das “Der Mann mit dem Goldhelm” doch nicht von Rembrandt war, sondern von einem seiner Schüler. Danach verschwand das Bild aus allen Kaufhäusern, und vermutlich auch aus allen Wohnzimmern, obwohl das Bild sich eigentlich nicht verändert hatte.
Doch was haben wir da nun auf unser Verkehrsinsel. “Vielfalt” steht dort auf großen Lettern aus Gussasphalt. Es ist sozusagen die asphaltierte Vielfalt in schwarz, und weil es von der igs bezahlt wurde, ranken sich noch ein paar Blumen darum. Jetzt muss die Polizei aufpassen, das die nicht gestohlen werden.
Große gegossene Buchstaben habe ich in der Nähe schon einmal gesehen. Im Spreehafen gibt es eine Installation aus Beton, die das Wort “Flusspferde” formen. Die Tauchen wegen des Tidenhubs im Brackwasser immer auf und unter, fast so wie richtige Flusspferde. Einmal gab es sogar eine richtige “Flusspferdebeobachtungsstation.” Das hatte was, da war richtiger Humor dabei.
Kunstwerke sollen auch zum Nachdenken anregen, sagt man. Wozu regt also das Wort “Vielfalt” auf der Veddel an? Die Vielfalt der Bewohner? Ist der Begriff in diesem Zusammenhang nicht schon reichlich abgedroschen? Oder vielleicht erinnert es ja an das Jahr der Biodiversität, also an die Vielfalt der Lebensformen? Jedenfalls scheint der Hügel ein Kind zum Nachdenken angeregt zu haben. Es fragte: “Was ist dort begraben?” Und ich antworte im Gedanken: Ist es Steuergeld? Spendengeld? Oder ist es mein Kunstverstand?
Das alles hat natürlich wenig mit Politik zu tun, und ist, das möchte ich betonen, ein persönlicher Gedanke. Denn wo kämen wir denn da hin, wenn die Freiheit der Kunst durch die Lokalpolitik reguliert werden würde. Vielleicht gefällt es Anderen ja viel besser als mir. Das ist dann wohl eine Frage des Kunstverstandes und des Geschmacks, die jeder für sich selbst beantworten kann. Ich behaupte jedenfalls nicht, das es sich bei dem Werk nicht um Kunst handelt.


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