Das Sommertheater mit der Postleidzahl der CDU

Briefkasten Quelle: Martin Hawlisch (cc)

Briefkasten (Quelle: Martin Hawlisch via Flickr cc)

Eine Überraschende Erkenntnis fand sich in einer Presseerklärung des „taxipolitischen Sprechers“ der CDU-Bezirksfraktion: Mit der neuen Postleitzahl 21108 ließe sich die neue Wilhelmsburger Mitte „deutschlandweit hervorheben.“ Deshalb solle die Bezirksversammlung der Post vorschlagen, der Wilhelmsburger Mitte, in der die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) neben den Bewohnern der für die Bauausstellung zu errichteten Gebäuden unterkommen sollen, diese neue Zahl zuzuordnen.

Diese immerhin originelle Idee schien zunächst ihren eigentlichen Zweck zu erfüllen. Sämtliche Lokalzeitungen hoben diesen Vorschlag in ihre Blätter, und berichteten ausführlich über diesen Antrag. Der Erfinder der Idee wurde zitiert, und durfte sich im Lichte der öffentlichen Aufmerksamkeit sonnen. Aber vielleicht war der Zweck ja auch grundsätzlicher: Nach einem eventuellen Ende der politischen Karriere, der ja bei jeder Wahl erfolgen kann, könnte als politisches Erbe wenigstens ein deutliches Zeichen auf der Landkarte Wilhelmsburgs hinterlassen werden.

Wenn man einen solchen Antrag auf den Tisch bekommt, muss man sich damit dennoch ernsthaft auseinandersetzen. Unsere erste Reaktion wurde am besten von Anja Keuchel in Worte gefasst: „Ein toller Vorschlag! Darum kümmern wir uns, wenn wir alle anderen Probleme auf den Elbinseln gelöst haben.“

Der Anruf bei den für uns zuständigen Ansprechpartnern der Post brachte diese zum erstaunen: „..deutschlandweit hervorheben? Und das geht mit einer Postleitzahl?“ Dann wurde mir erklärt: „Die Postleitzahl ist ein System der Post, das die reibungslose und schnelle Zustellung von Briefsendungen sicherstellen soll.“ Nach einigen Rückfragen berichtete mir der Sprecher der Post, den zuständigen Stellen der Post sei eine solche Anfrage nicht bekannt. Man werde sich mit ihr befassen, wenn der Vorschlag vorlege.

Mittlerweile druckte das „Wilhelmsburger Wochenblatt“ unter der Überschrift „Politischer Sachverstand“ einen Leserbrief von Johann Groß zu ihrem Artikel ab, dem kaum etwas hinzuzufügen ist:

„Ich hab’s doch immer gewusst. Benachteiligter Stadtteil, Bildungsnotstand, hohe Arbeitslosigkeit, von Verkehren zerschnitten, verlärmt usw. Alles Quatsch! Ein politisches Schwergewicht einer großen Volkspartei hat jetzt erkannt, was dem Stadtteil fehlt. Er ist nach einem langen Denkprozess zu dem Schluss gekommen, dass wir eine dritte Postleitzahl brauchen.
Bei soviel politischen Sachverstand kann der Sprung über die Elbe nur gelingen.“

Wir haben jedenfalls beschlossen die Verteilung der Postleitzahlen auch in Zukunft der Post zu überlassen. Die erklärte der „Harburger Rundschau“:

„Es müssen erhebliche Veränderungen der Sendungsmengen vorliegen, wenn wir eine Postleitzahl umstellen. Seit 1993 sind die Umstellungen von Postleitzahlen im großstädtischen Bereich an einer Hand abzuzählen.“

Na bitte!

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