Deichwacht Wilhelmsburg: Eine Sturmflut im Wasserglas

Sporthalle Rotenhäuser Straße

Sporthalle Rotenhäuser Str.

Die CDU-Geführten Senatsbehörden verweigern den ehrenamtlichen Helfern der Deichwacht Wilhelmsburg die Finanzierung der notwendigen Erschließung ihrer neuen Unterkunft. Als wenn diese Tatsache nicht schon ein Skandal für sich wäre, verbreitete die CDU Wilhelmsburg in Form ihres Bürgerschaftsabgeordneten am Montagabend in einer Pressemitteilung auch noch die Falschmeldung, die jetzige Unterkunft der Deichwacht an der Rotenhäuser Straße werde bereits im Juli abgerissen.

Doch betrachten wir die Ereignisse einmal chronologisch:

Seit einiger Zeit ist das Schicksal der alten Turnhalle an der Rotenhäuser Straße ungewiss. Zunächst hieß es, die der Schulbehörde gehörende Halle falle dem Ausbau der Rathauswettern zu einem schiffbaren Kanal zum Opfer. Das war Anlass über einen Umzug der hier untergebrachten Deichwacht Wilhelmsburg nachzudenken. Nach einigem Hin- und her entschied man im Bezirksamt Hamburg-Mitte, die Unterkunft der Mannschaften auf dem Gelände des Sandsacklagers der Deichwacht in der Nähe des Finkenrieks unterzubringen. Die Finanzierung der hierfür benötigten Bauten durch den Bezirk wurde sichergestellt. Diese mit der Deichwacht abgestimmte Lösung hat nur einen Haken: Für die Gebäude benötigt man eine Erschließung. Die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser muss hergestellt werden, außerdem muss das Abwasser ans Siel angeschlossen werden. Die Kosten dieser Arbeiten wurden mit 120.000 € veranschlagt. Eine Summe, die vom Senat aufzubringen ist.

Die Entscheidung wurde auch nicht revidiert, als der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer bekanntgab, das er die Rathauswettern auch ohne einen Abriss der Halle bewerkstelligen könne. Doch die Schulbehörde will das Gebäude loswerden, weshalb ein Abriss zu einem späteren Zeitpunkt immer noch nicht vom Tisch ist.

Das Bezirksamt hat seine Hausaufgaben in Sachen Deichwacht also gemacht, und die Finanzierung der Erschließung beim Senat beantragt. Doch auf Landesebene winkte man ab. Ob wirklich wahr ist, das die Behörde den Bezirksvertreten bedeutet hat, das Material sei zwar unterzubringen, doch die ehrenamtlichen Frauen und Männer der Deichwacht können sich in einer Kneipe treffen, oder ob das eine Erfindung von jemanden aus der Berichtskette ist kann ich nicht beurteilen. Das aber ausgerechnet in Wilhelmsburg die Deichwacht heimatlos werden soll, kann natürlich nicht angehen.

In ihrer Freizeit treffen sich die Frauen und Männer der Deichwacht um sich im Umgang mit Sandsäcken auszubilden. Nach den Einschneidenden Ereignissen der Sturmflut 1962 wurde diese Organisation vom damaligen Innensenator Helmut Schmidt ins Leben gerufen. Im Falle einer Sturmflut sind diese Kräfte schnell vor Ort, um eventuelle Schadstellen an den Deichen auszubessern, bevor sich Schäden zu katastrophalen Deichbrüchen ausweiten können. Die Bedeutung eines funktionierenden Katastrophenschutzes ist vielen älteren Bewohnern der Elbinsel noch in lebendiger Erinnerung. Beim Senat und den Beamten in der Innen- und Finanzbehörde kann man eine entsprechende Sensibilität für dieses Thema offensichtlich nicht feststellen.

Die Ehrenamtlichen benötigen nicht viel. Aber sie haben verdient, das sie von der Stadt wahrgenommen werden. Und sie haben verdient, das sie Wertschätzung erfahren, und zwar nicht nur am Tag des Ehrenamtes, sonder gerade dann, wenn es um ihre Ausrüstung geht.

Und so haben wir einen Antrag in die Bezirksversammlung eingebracht, in der wir den Senat auffordern die Mittel für die notwendige Erschließung der Unterkunft aufzubringen. Leider ist ein solcher Beschluss für die Senatsebene nicht bindend, kann aber einen Entscheidungsprozess möglicherweise beeinflussen.

Dienstag bekam die Debatte um die Zukunft der Deichwacht dann auf einmal richtig Pfeffer, als mich deren Chef anrief. Er berichtete der CDU-Bezirksabgeordnete aus Wilhelmsburg hätte ihm soeben mitgeteilt nach neuesten Erkenntnissen werde die Turnhalle „bereits im Juli abgerissen“. Später erfuhr ich, dass der Wilhelmsburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete diese Alarmmeldung bereits am Vorabend per Pressemitteilung verbreitet hatte.

Ein Bürgerschaftsabgeordneter muss es ja wissen, und ich setzte mich umgehend ans Telefon um Genaueres zu erfahren. Nachdem ich weder unseren Sachbearbeiter im Bauamt, noch einen wahrscheinlich zuständigen Schulrat erreichen konnte, wendete ich mich an das Büro der Schulsenatorin Goetsch, wo man mir baldige Aufklärung versprach.

Gegen Mittag machte ich einen kleinen Umweg, um die Turnhalle zu besuchen und zu fotografieren. Dabei traf ich auf ein Ehepaar, das die Hausmeisterwohnung der Halle bereits seit 40 Jahren bewohnt, und keine Kündigung erhalten hatte. Dass man die Mieter bei der Abrissplanung am grünen Tisch einfach übersehen hatte konnte ich mir bei meiner Erfahrung mit der Verwaltung zwar vorstellen, doch wuchsen jetzt auch die Zweifel an der Seriosität der Informationen der CDU. Ich war jetzt jedenfalls sicher, dass der Abriss nicht im Juli erfolgen könne.

Als ich aber am frühen Nachmittag noch keinen Rückruf aus dem Büro der Schulsenatorin bekommen hatte, versuchte ich noch einen anderen Weg um an Informationen zu kommen. Da die Schulgebäude in Hamburgs Süden von der GWG Gewerbe verwaltet werden, fragte ich dort nach, und bekam die zuständige Sachbearbeiterin ans Telefon. Die berichtete mir, ein Abriss der Halle sei derzeit nicht vorgesehen. Ihr sei ein solcher Vorgang nicht bekannt, und die notwendigen Ausschreibungen hätten über Ihren Tisch laufen müssen.

Ich konnte dem Leiter der Deichwacht Wilhelmsburg Entwarnung melden. Der angebliche Abriss in vier Wochen war nur ein Sturm im Wasserglas der CDU Wilhelmsburg gewesen. Dann rief auch die Schulbehörde an. Die Turnhalle wird noch als Ausweichlösung der Sporthalle am Perlstieg benötigt, ein Abriss vor 2012 komme nicht in Frage. Ein Abriss bereits im Jahr 2010 sei überlegt, aber bereits lange verworfen worden.

Abends brachte die CDU noch einen Dringlichkeitsantrag wegen der angeblichen Abrisspläne in den Regionalausschuss ein, musste sich aber nicht nur von uns, sondern auch vom Wilhelmsburgbeauftragten Torsten Schulz eines Besseren belehren lassen.

Am Ende dieser Geschichte kommt mein Kommentar:

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete aus Wilhelmsburg ist inkompetent hoch drei:

  • Erstens ist es ihm nicht gelungen, die zuständigen Senatoren der CDU von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Finanzierung der Erschließung der Unterkunft für die Deichwacht sicherzustellen.
  • Zweitens versucht die CDU Wilhelmsburg nach dem Motto „haltet den Dieb“ das vorläufige Scheitern der Umzugspläne dem Bezirksamt Hamburg-Mitte anzuhängen, indem sie behaupten das Amt hätte keinen Vorschlag für den Umzug vorgelegt.
  • Drittens hat die CDU peinlicherweise eine ungeprüfte Fehlinformation an die Öffentlichkeit gegeben, weil sie einfach keine Ahnung davon hat, was in dieser Angelegenheit Stand der Diskussion ist. Und das obwohl der derzeitige Senat von der eigenen Partei geführt wird. Vielleicht hätten die Herren sich einmal mit jemanden unterhalten sollen, der Ahnung von der Materie hat.

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