Antrag vom 05.07.2005: Ballinstadt mit Qualität umsetzen
Ballinstadt mit Qualität umsetzen
Antrag der Abgeordneten Klaus Lübke, sowie Mathias Bölckow (GAL) und Fraktion
Antrag im Hauptausschuss:
Das Auswanderermuseum ist eine Idee des Ortsausschusses Veddel und der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte. Mittlerweile werden die Pläne für die „Ballinstadt“ konkret. Der Freiraumwettbewerb, den die BSU Ende Juni auf der Veddel durchgeführt hat, blieb im Stadtteil leider weitgehend unbemerkt. Die Behörde hatte versäumt die Bürger und die kommunalpolitischen Gremien frühzeitig in das Verfahren einzubinden. Dennoch brachte der Wettbewerb neue Ideen, die von der Bezirksversammlung ausdrücklich begrüßt werden.
Die Bezirksversammlung setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass diese Planungen umgesetzt werden.
Insbesondere die Idee, das Gelände mit einer Fußgängerbrücke an den Nordausgang der S-Bahn anzubinden, bietet viele Vorteile. An der Nordseite bietet sich die Gelegenheit auf den Weg zu dem Museum im Hafen in der 50er Schuppenstrecke hinzuweisen. Die Besucher erleben auf dem Weg zur Auswandererhalle zunächst den Blick auf das Hafenbecken, welcher ihnen sonst verwehrt bliebe, und schließlich öffnet sich das Areal dem Wohnquartier im Norden.
In jedem Fall müssen am S-Bahnhof Veddel, der zukünftig eine Visitenkarte Hamburg sein wird, gestalterische und bauliche Verbesserungen erfolgen, um die Station den künftigen Erfordernissen anzupassen. Insbesondere muss auf dem Bahnsteig für einen wirksamen Windschutz und für einen barrierefreien Zugang gesorgt werden.
Zu begrüßen ist der Vorschlag, den Veddeler Bogen zurückzubauen, so dass ein „Ballinpark“ entstehen kann, der von den Hallen bis zum Ufer des Müggenburger Zollhafens reichen würde. Dazu reicht eine einfache Endwidmung der Straße nicht aus. Zusätzlich muss der Verkehrskreisel verkleinert werden, der ein Relikt aus der Zeit vor dem Bau der Ortsumgehung ist. Der entstehende Raum wäre ein großer Gewinn für die Ballinstadt und die Veddel.
Wichtig ist schließlich die Gestaltung des Geländes südlich der Auswandererhalle. Die an dieser Stelle von den Freiraumplanern vorgeschlagene Herstellung einer Gasse, die einen Eindruck von der Enge der Wege in der Auswandererstadt herstellen soll, wird begrüßt und soll umgesetzt werden.
Leider ist das Gelände westlich der Auswandererhalle im Siegerbeitrag des Wettbewerbes nicht behandelt worden. Unbezweifelbar ist, dass diese Fläche mit der Errichtung der Ballinstadt an Attraktivität für Investoren gewinnt, und nur im Kontext mit dem Museum entwickelt werden kann. Der Rahmen für die Entwicklung dieses Geländes ist im einstimmigen Beschluss des Ortsauschusses Veddel/ Rothenburgsort, Drucksache 18/074/05 „Umfeld der Auswandererhallen verbessern“ aus dem April dieses Jahres beschrieben.
Die bestehende Auswandererhalle hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen erfahren. Dennoch ist Einiges von der Originalsubstanz des Gebäudes erhalten geblieben. Dies hat unter anderem das Kunstprojekt „Schichten der Erinnerung“ von Werner Schaarmann gezeigt. Der Erhalt dieser Substanz und die möglichst originalgetreue Wiederherstellung der verlorenen Teile der Halle, womöglich auch mit Material aus der Zeit der Errichtung, bildet den Kern des zukünftigen Museums. Denn nur durch den historischen Ort und die historische Substanz erhält das Museum eine Authentizität, die manch anderem dem Thema gewidmeten Museum fehlt.
Obwohl der Müggenburger Kanal nicht mehr zugeschüttet werden soll, stehen die Niedernfelder Brücken und die Zufahrt zum Hansahafen nach wie vor in der Diskussion. Für den Erhalt der Niedernfelder Durchfahrt gibt es gewichtige städtebauliche, verkehrstechnische und touristische Gründe, mit denen sich die Bezirksversammlung und die Bürgerschaft an anderer Stelle auseinandergesetzt haben. Im Zusammenhang mit der Ballinstadt ist zu bedenken, dass die geplante attraktive Schiffsverbindung von den Landungsbrücken über das Tamm-Museum und die 50er Schuppenstrecke bis zur Ballinstadt nicht mehr realisierbar wäre. Die Port Authority, ehemals Amt für Strom- und Hafenbau, bezieht diese Gründe nicht ausreichend in Ihre Abwägungen ein. Dies ist einerseits verständlich, da die Stadtentwicklung und der Tourismus nicht zu den Aufgaben der Port Authority gehören, andererseits liegt es im Gesamtinteresse der Stadt diese Durchfahrten zu erhalten.
Deshalb möge die Bezirksversammlung beschließen:
1. Das Auswanderermuseum „Ballinstadt“ soll an den Nordausgang des Bahnhofes Veddel mit Hilfe einer Fußgängerbrücke über die Müggenburger Durchfahrt angeschlossen werden. Der Hauptzugang zum Areal soll von Norden her erfolgen.
2. Der Veddeler Bogen ist nicht nur dem Verkehr zu entwidmen, sondern muss auch zurückgebaut werden, damit ein Park entstehen kann, der bis zum Ufer des Müggenburger Zollhafens reicht.
3. Die Südseite der Auswandererhallen bildet einen wichtigen Baustein des Konzepts, der umgesetzt werden muss.
4. Die Gestaltung des Raumes zwischen dem S-Bahnhof Veddel und der Ballinstadt muss im Kontext mir dem Auswanderermuseum entsprechend der Drucksache 18/074/05 des Ortsausschusses Veddel/ Rothenburgsort vom Bezirksamt und der BSU vorangebracht werden.
5. Von der bestehenden Auswandererhalle ist, soweit technisch und wirtschaftlich vertretbar, von der aus der vom Beginn des 20. Jahrhunderts stammenden Substanz so viel als möglich zu erhalten und zu restaurieren. Für rekonstruierte Teile soll, wo immer möglich, historisches Baumaterial Verwendung finden. Die Wiederherstellung eines möglichst originalgetreuen Zustandes hat in allen Abwägungen Vorrang vor anderen Anforderungen.
6. Die Durchfahrt durch das Veddeler Wasserkreuz vom Müggenburger Zollhafen in den Hansahafen muss erhalten bleiben.







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