Antrag vom 05.07.2005: Kaltehofer Hauptdeich bleibt für den Kraftverkehr gesperrt
Kaltehofer Hauptdeich bleibt für den Kraftverkehr gesperrt
Antrag der Abgeordneten Klaus Lübke, Axel Wieder, sowie Mathias Bölckow, Jutta Kodrzynski, Dr. Michael Osterburg (GAL) und Fraktion
Antrag im Hauptausschuss:
Die Insel Kaltehofe und ihre Umgebung bietet für rund 60 Vogelarten und zahlreiche Amphibien einen Lebens,- Rast,- und Ruheort. Kaltehofe ist ein deutschlandweit einzigartiges Kulturdenkmal der Trinkwasseraufbereitung des 19. Jahrhunderts und für zahlreiche Hamburger und Auswärtige ein außerordentlich spannendes Gebiet. Die Hamburger Geschichte von Zollunion, Elbdurchstich, Cholera bis zur Förderung von Lüneburger Heidewasser lässt sich anhand der Insel Kaltehofe erklären.
Mit dem Schreiben vom 14.06.2005 an die Stadtteilinitiative “Hamburgs Wilder Osten” legt Staatsrätin Frau Dr. Gundelach für die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) eine temporäre Öffnung des Kaltehofer Hauptdeichs für den Kfz-Umleitungsverkehr am Brennerhof nahe. Nach fachlicher Einschätzung ihrer Behörde ist die geplante einstreifige Verkehrsführung über die Behelfsbrücke im Zuge der Verbreiterung der A1 ausreichend. Frau Gundelach geht damit, wie sie selbst schreibt, “von der Sorge aus, die im Sommer nächsten Jahres anstehende Sperrung der Brennerhofbrücke würde zu verkehrlich unzuträglichen Verhältnissen im Wohnumfeld führen“. Fachlich untermauert wird diese These von Frau Gundelach nicht, es geht lediglich um die “Sorge”. Die klar begründete Angst der Rothenburgsorter um ihr Wohngebiet, die Wege zur Schule und insbesondere zum Spielhaus Traunspark, um die Natur auf Kaltehofe und die Erholungssuchenden wird hingegen nicht berücksichtigt.
In Kaltehofe findet derzeit ein Agenda21-Prozess statt, der eine Lösung im Konsens vorsieht. Die BSU ist in der Lenkungsgruppe durch Frau Störmer vom Amt für Landesplanung vertreten. Die Lenkungsgruppe und zuletzt die Agenda-Konferenz am 27.05.2005 sprachen sich gegen eine Öffnung des Kaltehofer Hauptdeiches aus. Lediglich der bis dahin am Agenda21-Prozess unbeteiligte Bernd Capeletti von der Bergedorfer CDU äußerte den Wunsch, den Kaltehofer Hauptdeich zumindest für die Zeit der Baumaßnahmen am Brennerhof zu öffnen. Mit der Öffnung des Kaltehofer Hauptdeiches würde die BSU das Konsens-Prinzip des Agenda21-Prozesses einseitig aufheben.
Durch den Kraftverkehr auf dem Kaltehofer Hauptdeich würde eine einmalige Naturlandschaft mit dem Vogelschutzgehölz, dem Süßwasserwatt der Billwerder Bucht und dem eingezäunten Gebiet des ehemaligen Wasserwerkes verlärmt und durch das Scheinwerferlicht würden die teilweise sehr scheuen Vögel nachts gestört. Die Strecke gehört zum Elberadweg von Cuxhaven zur Tschechischen Grenze und stellt eine wichtige Radverkehrsverbindung im Zulauf auf die Elbbrücken und zu den Badeseen der Vier- und Marschlande dar. Für die Rothenburgsorter ist Kaltehofe, wenn auch bisher anders gewidmet, das einzig fußläufige Naherholungsgebiet. Entsprechend sprachen sich die Bezirksversammlung und der Ortsausschuss Veddel/ Rothenburgsort wiederholt und einstimmig gegen eine Öffnung des Kaltehofer Hauptdeiches aus.
Natürlich ist die Verbindung für Kraftfahrer aus den Vier- und Marschlanden zur morgendlichen Verkehrsspitze attraktiv: Es besteht die Möglichkeit an den Staus vor den Nadelöhren der inneren Stadt vorbeizufahren und sich ganz vorn anzustellen, also vorzudrängeln. Bekanntlich löst dieses Verhalten nicht die begrenzte Verkehrskapazität der inneren Stadt, sondern zieht nur weiteren Schleichverkehr an, ähnlich wie dies in den Morgenstunden auf der Veddel zu beobachten ist.
Dies vorausgeschickt, möge die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschließen:
Der Bezirksamtsleiter wird beauftragt, sich
1. gegenüber der BSU weiter vehement gegen eine Öffnung des Kaltehofer Hauptdeiches auch als Umleitung für Baustellen einzusetzen.
2. die BSU zu einer Respektierung der Ergebnisse des Agenda21-Prozess anzuhalten.
3. von der BSU eine kurzfristige schriftliche Stellungnahme einzufordern und den Fraktionen sowie den Mitgliedern des Bau- und Verkehrsausschusses Veddel/ Rothenburgsort zukommen zu lassen, in der erklärt wird:
a. wie die Fachbehörde BSU die Sorge des Bezirkes Bergedorf gegenüber den Nachteilen für die Rothenburgsorter, die Natur auf Kaltehofe und die vielfältigen Nutzer der Elbinsel als Spaziergänger und Radfahrer abgewogen hat.
b. warum die Behelfsbrücke über die Autobahn nicht zweistreifig vorgesehen ist, wenn die BSU eine mangelnde Kapazität der einstreifigen Verkehrsführung befürchtet.
4. Die Bezirksversammlung fordert, vor einer endgültigen Entscheidung über eine Aufhebung, sei sie auch temporär, die Gremien des Bezirks Hamburg-Mitte, insbesondere des Ortsausschusses Veddel/ Rothenburgsort, zu befassen, und dazu einen Referenten der BSU zu entsenden.






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